Welt : Karrierefaktor: Auf den Auftritt kommt es an

Die soziale Herkunft ist einer Studie der Technischen Universität Darmstadt zufolge für die Karriere wichtiger als alle Zeugnisse. Der Soziologe und Elitenforscher Michael Hartmann verglich die beruflichen Laufbahnen von 6500 promovierten Akademikern und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Die Familie verschafft künftigen Führungskräften einen uneinholbaren Vorsprung. Und die Chancen für Mittelstandskinder werden immer schlechter.

Harte Fakten wie die Geschwindigkeit des Studiums oder die Qualität des Abschlusses zählen wenig gegen die "Soft-Faktoren" aus der Biografie. Je größer die Unternehmen, desto stärker wirke dieses Prinzip, stellten die Forscher fest. In seinen Interviews mit Personalentscheidern hörte Hartmann eines immer wieder: "Entscheidend ist das Auftreten, der Habitus, eine natürliche Souveränität." Fähigkeiten, die man dem Soziologen zufolge einzig im Elternhaus mitbekommt und später nicht mehr erwerben kann. "Natürlich kann man Geschmack oder Umgangsformen erlernen, aber nicht das Selbstverständliche daran", sagt er. "Spätestens, wenn eine unvorhergesehene Situation auftritt, patzt man."

Mit einem "Ja, aber" bewertet der Personalfachmann Rolf Pfeiffer, bei der Unternehmensberatung Arthur D. Little zuständig für "Human Ressources", das Ergebnis der Studie. Die Theorie von der "natürlichen Souveränität" hält er für "eine Tatsache". Nicht aber, dass man diese Fähigkeiten später nicht mehr lernen kann.

Einer anderen Studie Hartmanns zufolge kommen mehr als vier Fünftel aller Führungskräfte in der Wirtschaft aus einer Schicht, der nur drei Prozent der Gesellschaft angehören. Innerhalb dieser Gruppe haben wiederum Angehörige "der oberen fünf Promille" die besten Chancen. Dazu zählen Söhne von Inhabern großer Unternehmen, Vorstandsvorsitzenden, Staatssekretären oder Gerichtspräsidenten. So genannte "Kamin-Karrieren", bei denen man durch Fachkenntnis immer weiter aufsteigen konnte, gibt es immer weniger. "Die Anforderungen haben sich geändert", erklärt Hartmann. Fachwissen werde weniger wichtig, Management-Fähigkeiten immer entscheidender. Noch stärker senkt seinerAnsicht nach nur ein einziges anderes Kriterium die Karriere-Chancen: das Geschlecht.

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