Welt : Katastrophe von Lassing: Bergwerksleitung schuldig

Im Prozess um die Katastrophe von Lassing, bei der vor zwei Jahren zehn Bergleute ums Leben gekommen waren, hat ein österreichisches Gericht zwei leitende Mitarbeiter schuldig gesprochen. Das Kreisgericht von Leoben verurteilte den früheren Werksleiter Hermann Schmidt (66) wegen "fahrlässiger Gemeingefährdung" am Mittwoch zu 20 Monaten Gefängnis auf Bewährung. Wolfgang Wedrac (63), Chef der Berghauptmannschaft als Aufsichtsbehörde, wurde mit derselben Begründung zu zehn Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt. Drei mitangeklagte Beamte des Kontrollgremiums sprach der Richter frei. Die Verurteilten wollen Berufung einlegen.

Schmidt habe den Zusammenbruch des Bergwerks zu verantworten, weil er illegalen Talkabbau nahe der Oberfläche zugelassen habe, begründete der Richter sein Urteil. Er hätte das Bergwerk sofort sperren müssen, nachdem am 17. Juli 1998 der Bergmann Georg Hainzl durch Wasser- und Schlammmassen in der Grube festgesetzt worden war. Stattdessen hatte Schmidt zehn Männer zu Rettungs- und Sicherungsarbeiten ins Bergwerk geschickt. Sie wurden von einer neuen Wasser- und Schlammlawine verschüttet und bis heute nicht gefunden. Hainzl, den die Einsatzleitung schon für tot erklärt hatte, war nach neun Tagen nahezu unverletzt geborgen worden. Die Bevölkerung hatte vom "Wunder von Lassing" gesprochen. Als Chef der Bergwerksaufsicht habe Wedrac die Lage in Lassing nicht ausreichend kontrolliert, erklärte der Richter weiter. So seien die Angaben der Werksleitung in den Stollen nicht genau genug überprüft worden. Auch habe es keine wirklich brauchbaren Grubenkarten gegeben.

Mit Spenden aus der Bevölkerung sind alle zerstörten Häuser wieder aufgebaut.

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