Katholische Kirche : Priester warnen vor Einsamkeit im Alter

Elf katholische Geistliche aus dem Rheinland beziehen in einem offenen Brief Stellung gegen den Zölibat. Außerdem wollen sie das Priesteramt für Frauen öffnen.

Oliver Bilger
Der Kölner Dom. Elf Priester aus dem Erzbistum haben einen offenen Brief verfasst.
Der Kölner Dom. Elf Priester aus dem Erzbistum haben einen offenen Brief verfasst.Foto: dpa/Oliver Berg

Als Franz Decker sich zum Priester weihen ließ, nahm er den Zölibat berufsbedingt hin. 50 Jahre später spürt er die Folgen der von Amts wegen auferlegten Ehelosigkeit. Mit zehn Priesterkollegen aus dem Rheinland, alle 1967 geweiht, hat der Geistliche deshalb einen offenen Brief verfasst, in dem die Jubilare, heute Mitte 70, Resümee ihrer Tätigkeit ziehen und Reformvorschläge unterbreiten. „Sieben Wegweiser für die Zukunft“ haben sie das Schreiben genannt.

Dabei haben die Geistlichen vor allem an die Menschen gedacht, mit denen sie in den vergangenen Jahrzehnten zusammenarbeiteten, in unterschiedlichen Gebieten. Decker war zuletzt als Caritasdirektor in Köln tätig und nennt den offenen Brief, in dem die Priester gegen das Zölibat Stellung beziehen, eine „grundsätzliche Bestandsaufnahme“.

Zölibat in Kauf genommen

Die Zölibatspflicht führe bei Geistlichen gerade im Alter oft zu Vereinsamung, heißt es in dem Schreiben, das vom Kölner Domradio veröffentlicht wurde. „Als alternde Ehelose bekommen wir sie – von Amts wegen damals auferlegt – jetzt nach 50 Dienstjahren manchmal deutlich zu spüren.“ Als spirituelle Quelle in der Seelsorge habe er dem Zölibat schon bei seiner Weihe nicht verstanden, sagte Decker. Um den Beruf ausüben zu können, habe er den Zölibat damals in Kauf genommen, aber nicht gewählt, erklärte der 74-Jährige. Zu den Folgen im Alter könnten auch Arbeitshetze und seelische Belastungen zählen, sagt Decker.

Hoffen auf Veränderung

Der Priester verweist auf evangelische Geistliche, die sich trotz Familie voll für ihre Gemeinden einsetzten. In dem Schreiben heißt es deshalb weiter: „Selbst der Bibel fehlen die Worte für das einschlägige Kirchengesetz.“

Die Unterzeichner des Briefes „hoffen sehr, dass sich etwas ändert“, sagt Decker, der allerding nicht an ein baldiges Endes des Zölibats glaubt. Mit seinen Kollegen setzt er sich für weitere Reformen ein.

Priesteramt für Frauen öffnen

So regen die Unterzeichner an, das Priesteramt für Frauen zu öffnen. „Es hat für uns keinen Sinn, den Heiligen Geist ständig um Berufungen (von Männern) zu bitten und gleichzeitig alle Frauen von diesen Ämtern auszuschließen“, heißt es. Dies sei „wirklich längst überfällig“, findet Decker – und sei entscheidend für die Zukunft der Gemeinden. Ich ihrem Brief warnen die Verfasser vor Großpfarreien und Gemeindesterben. Decker hofft, dass in Zukunft „Bischöfe das Wagnis eingehen, Türen zu öffnen“.

 

 

 

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