Welt : Kein Spaß für Disney

Die Hollywood-Moguln Harvey und Bob Weinstein trennen sich von dem streng konservativen Konzern

Matthias B. Krause

Nach einem langen und heftigen Rosenkrieg ging die eigentliche Scheidung überraschend zivil vonstatten. Der scheidende Disney-Chef Michael Eisner würdigte die Filmleidenschaft der Brüder Harvey und Bob Weinstein, die sich von Disney getrennt und ihre Firma „Miramax“ komplett an den Konzern verkauft hatten, als „unersättlich“. Im Gegenzug lobte Harvey Weinstein artig die neuen unternehmerischen Möglichkeiten, die Eisners Nachfolger Bob Iger verspreche. Doch bis zur Einigung tobte hinter den Kulissen – und bisweilen auch auf der Bühne – ein langer und heftiger Streit.

1993 hatten die Hollywood-Moguln Weinstein ihre 1979 gegründete und nach ihren Eltern (Miriam und Max) benannte Firma an Disney angegliedert. Sie revolutionierten damals den amerikanischen Markt, indem sie Streifen jenseits des Mainstreams in Hollywood populär machten. Filme wie „Der englische Patient“ und „Cinema Paradiso“ wurden durch sie zu Überraschungshits, die Brüder entdeckten Regisseure wie Quentin Tarantino – ihm finanzierten sie „Pulp Fiction“ – und Steven Soderbergh.

Gleichzeitig pflegte vor allem Harvey Weinstein seinen Ruf als Enfant terrible der Branche. Geldgebern, Produzenten und Filmemachern geht er bisweilen mit seiner selbstherrlichen Art gehörig auf die Nerven. Bernardo Bertolucci verlieh ihm einst den zweifelhaften Titel des „kleinen Saddam Hussein des Kinos“.

Auch die Beziehung der New Yorker zu ihren Chefs in Hollywood kühlte sich nach der Einverleibung von Miramax bald ab. Der im September scheidende Eisner und der heißblütige Harvey Weinstein lieferten sich erbitterte Gefechte über Geschäftsstrategien und Filmproduktionen. Nach den aufwändigen, aber kommerziell erfolglosen Dramen „Cold Mountain“ und „Gangs of New York“ versuchte Eisner, Miramax den Geldhahn abzudrehen. Höhepunkt des Streits war die Auseinandersetzung über den Michael-Moore-Film „Fahrenheit 9/11“ im vergangenen Sommer.

Disney, ein streng konservativer Konzern, der sehr darauf achtet, dass in seinen eigenen Filmen keine traditionellen Familienwerte verletzt werden, weigerte sich, das Bush-kritische Stück so kurz vor der Präsidentenwahl zu vertreiben. Miramax kaufte daraufhin die Rechte zurück und machte es zu einem globalen Kassenerfolg, der mehr als 119 Millionen Dollar einspielte.

Eigentlich wäre der Vertrag zwischen Disney und den Weinstein-Brüdern noch bis 2009 gelaufen, doch der Konzern nutze eine Klausel zum vorzeitigen Ausstieg. Eine Regelung, um die die Weinsteins kaum traurig sind. Pläne für einen Neuanfang als „The Weinstein Co“ liegen schon auf dem Tisch. Disney wird den Namen Miramax behalten, ebenso wie die mehr als 550 Streifen umfassende Cinemathek mit den Oscar-Hits wie „Chicago“, „Pulp Fiction“ und „Shakespeare in Love“. In zwölf Jahren heimste Miramax insgesamt 220 Oscars ein, bei der jüngsten Verleihung waren es sechs für „The Aviator“ und „Finding Neverland“. Im vergangenen Jahr zeichnete die Firma für 25 Prozent der Disney-Umsätze an den Kinokassen verantwortlich.

Die finanziellen Details der Scheidung verschwiegen die Verhandlungspartner, in den US-Medien ist aber die Rede davon, dass die Weinstein-Brüder rund 100 Millionen Dollar für einen Neuanfang erhalten. Ihnen schwebt eine voll integrierte Medienfirma vor mit Anteilen am Kabelfernsehen, einer Vertriebssparte und einem Internet-Geschäftsbereich. Als Berater gewannen sie bereits namhafte Filmproduzenten und Schauspieler wie Robert Redford und Paul Newman.

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