Welt : Kein Witz

Ein Terrorist als Komiker hätte die Royal Family töten können

Matthias Thibaut[London]

Nach Scotland Yard, dem Londoner Polizeichef, der königlichen Palastwache und dem Amt des britischen Premiers war gestern Innenminister David Blunkett mit dem Entschuldigen an der Reihe. Im Unterhaus sprach er der königlichen Familie sein „tiefes Bedauern" aus. Dass der englische Komiker Aaron Barschak in seiner bizarren Osama-bin-Laden-Verkleidung über die Mauern von Windsor Castle klettern und sich unter die Gäste von Prinz Williams Geburtstagsparty mischen konnte, sei ein „schockierender Verstoß gegen die Sicherheit" gewesen. Es wird befürchtet, dass US-Präsident Bush, der im Herbst zu einem Staatsbesuch kommen wird, es möglicherweise ablehnen wird, im Buckingham Palast zu übernachten. Dies ist die größte Ehre, die Staatsgästen zuteil wird.

Gute Tradition hat auch, wenn nun „Köpfe rollen werden". Allerdings meinte Blunkett dies, anders als früher, nur metaphorisch und auch nicht der Kopf des Eindringlings ist in Gefahr. Komiker Barschak hat seiner Karriere als „humoristischer Terrorist" mit dem Streich vielmehr neuen Auftrieb gegeben. „Ich habe William auf beide Backen geküsst", verkündete er gestern exklusiv in der „Daily Mail". Im Parlament hörte sich das vornehmer an: „Barschak ist in unakzeptable Nähe zu Prinz William vorgedrungen. Daraus müssen Lehren gezogen werden," so der Minister.

Der Afrika-begeisterte Prinz William hatte seine Geburtstagsparty unter das Thema „Out of Africa" gestellt und Schaulustige konnten am Samstag vor Windsor Castle die Ankunft von 300 mehr oder weniger originell kostümierten Gästen verfolgen. Auch Barschak trieb seine Späße im Städtchen.

Dann kletterte er mit wallendem Osama- Bart über drei hohe Mauern und zwei Gartentürchen und fragte einen Polizisten nach dem Weg. Der Wachhabende, aus Sicherheitsgründen unabkömmlich, beauftragte nach bester britischer Polizeitradition einen Arbeiter von der Technik, dem Komiker den Weg zu zeigen. „Es gab praktisch keine Sicherheitsvorkehrungen", berichtete Barschak. „Ich trug eine Tasche, in der hätte eine Bombe sein können. Ein echter Terrorist hätte die ganze Royal Family auslöschen können." Doch Barschak begnügte sich damit, die Partygesellschaft mit seinen Witzen zu beglücken. Er kletterte auf die Bühne, nahm Prinz William, der sich gerade bei seiner Oma für die schöne Party bedankte, das Mikrofon aus der Hand und lud die erstaunten Gäste zu seiner nächsten Show nach Edinburgh ein. Dann habe er unter Applaus den Saal verlassen und sich an der Bar Champagner bestellt. Erst dann fiel bei der Sicherheit der Groschen und Barschak wurde verhaftet.

Die Queen verfolgte alles im purpurfarbenen Safarianzug und verzog, wie immer, keine Miene. Sie hat mit solchen Sachen ja Erfahrung. 1982 war der Geisteskranke Michael Fagan durch ein Fenster im Buckingham Palast gestiegen und bis in ihr Schlafzimmer vorgedrungen. Dort saß er 45 Minuten lang am Fuße ihres Bettes und sprach mit der Königin, bis diese die Leibwächter alarmieren konnte. Die Konversation der beiden, nie veröffentlicht, wird nun Stoff eines neuen Musicals – von Elton John.

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