Welt : Keine Angst ums Osterei

Auch in Zeiten der Vogelgrippe muss niemand auf die alten Bräuche verzichten – worauf man achten soll

Adelheid Müller-Lissner

In Schulen, Kindergärten und in vielen Familien ist eine farbenfreudige Zeit angebrochen. Da werden jede Menge Eier ausgeblasen, bunt bemalt und als Osterdekoration an Zweigen aufgehängt. Kurz vor dem Fest warten dann noch die gekochten Eier darauf, bunt gefärbt werden. Aber kann man diese schönen Vorbereitungen, auf die die Kinder sich schon freuen, dieses Jahr überhaupt noch unbeschwert genießen?

Darf man Hühnereier in Zeiten der Vogelgrippe noch ausblasen, darf man sie am Ostersonntag zum Frühstück essen? Das fragen sich viele, seit ausgerechnet kurz vor Ostern in Deutschland zum ersten Mal Nutztiere dem gefährlichen Virus zum Opfer fielen. Vom Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), das ständig mit den Fragen besorgter Konsumenten konfrontiert ist, kommen aktuell zum Fest ein paar wichtige Hinweise.

Sie beginnen mit einer grundsätzlichen Beruhigung: Auch aus Ländern, in denen der aggressive Erreger H5N1 seit Jahren grassiert, ist bisher kein einziger Fall bekannt, in dem das Virus über Lebensmittel auf den Menschen übertragen wurde. In allen Fällen hatten die Betroffenen persönlich engen Kontakt zu infizierten Tieren. Außerdem ist es extrem unwahrscheinlich, dass in Deutschland Hühnereier in den Handel gelangen, die das Virus tragen. Und das nicht nur wegen der Schutzmaßnahmen und Einfuhrverbote, die vor einiger Zeit erlassen wurden.

Ein weiterer Grund ist, dass Hühner, die die Tierseuche erwischt hat, schwer krank sind. Sie sind mit großer Wahrscheinlichkeit deshalb gar nicht mehr in der Lage, die komplizierte wichtige Funktion der Eibildung und des Eierlegens überhaupt noch auszuführen. „Jedes legt noch schnell ein Ei, und dann kommt der Tod herbei“ – das gelingt den Hühnern in Buschs „Max und Moritz“ nur, weil sie vor ihrem gewaltsamen Tod putzmunter und nicht von einer Virusinfektion gebeutelt sind.

Lüppo Ellerbroek, Mikrobiologe bei der BfR, hält aus all diesen Gründen die Gefahr, dass ein infiziertes Ei dabei sein könnte, für so minimal, dass er seiner Tochter auch dieses Jahr das Vergnügen des Ausblasens lassen will. Und auch von Amts wegen sagt er: „Es ist nicht unsere Aufgabe, Risiken aufzubauschen.“ Wer trotzdem dieses Jahr ein wenig vorsichtiger sein will, sollte der Empfehlung des BfR folgen und die Schale des Eis vor dem Bemalen mit warmem Wasser und Spülmittel vorsichtig reinigen. Deren Inhalt benutzt man besser zum Backen, als Tiramisu daraus zu machen.

Auf die ostersonntäglichen Frühstückseier muss man dieses Jahr nicht verzichten. Sie erfüllen ohnehin, wenn sie nach traditioneller Art zubereitet sind, höchste Sicherheitsansprüche: Wenn die Eier hart gekocht werden, haben die Viren darin keine Überlebenschance. Im weichen Eigelb können sich dagegen Erreger theoretisch halten. „Das gilt übrigens auch für alte Bekannte wie die Salmonellen“, sagt Mikrobiologe Ellerbroek. Sollte man also sicherheitshalber gar keine weich gekochten Eier mehr essen – ganz unabhängig von der Vogelgrippe? In der Gemeinschaftsverpflegung dürfen sie seit einiger Zeit wegen der Salmonellengefahr nicht mehr auf den Tisch gebracht werden. Wen diese Gefahr bisher nicht davon abgehalten hat, sich zu Hause ab und zu ein pflaumenweiches Frühstücksei zu gönnen, der hat angesichts des deutlich geringeren Risikos, das jetzt für eine Infektion mit H5N1 durch Lebensmittel besteht, schon gar keinen Grund, sich zu kasteien.

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