Welt : Keine heiße Spur nach Autobahnmord

Oldenburg - Mit voller Wucht hat der Holzklotz ein großes Loch in die Windschutzscheibe des silberfarbenen Autos geschlagen. Auf dem schwarzen Beifahrersitz klebt Blut. Er ist ebenso wie die beiden karierten Kindersitze auf der Rückbank mit kleinen Glassplittern bedeckt, auf dem Fußboden liegt noch eine Wasserflasche. „Das ist tragisch, nicht fassbar“, sagt der Besitzer des Oldenburger Autohauses, Hans-Dieter Westerburg, bei dem der Unfallwagen nun steht.

Am Abend des Ostersonntags geschah das Unfassbare: Ein oder mehrere Täter werfen von einer Autobahnbrücke einen sechs Kilogramm schweren Holzklotz auf die A 29. Dieser durchschlägt die Windschutzscheibe eines Wagens und tötet die Beifahrerin, eine zweifache Mutter. Die 33-Jährige stirbt vor den Augen ihrer Familie noch an der Unfallstelle.

Die aus Telgte in Westfalen stammende Familie war auf dem Rückweg aus dem Urlaub. Vater und Kinder sind derzeit bei Verwandten untergebracht und werden von einem Notfallseelsorger betreut. Die Stadt will der Familie ihre Hilfe anbieten.

Auf der Autobahnbrücke selbst erinnert am Dienstag nichts an das schreckliche Ereignis. Unten rasen die Wagen auf ihrem Weg Richtung Osnabrück oder Wilhelmshaven vorbei, die Sonne scheint. Am Tatort steht der Oldenburger Polizeisprecher Sascha Weiß. Die Ermittlungen seien schwierig, über das Täterprofil sei noch nichts bekannt, sagt er. Die 22-köpfige Mordkommission habe zwar schon mehrere Hinweise erhalten, eine konkrete Spur aber gebe es noch nicht. Man versuche zurzeit, „Menschen zu finden, die im Nahbereich des Tatortes waren und etwas gesehen haben“. Die Staatsanwaltschaft hat die Belohnung inzwischen auf 6000 Euro verdoppelt.

Befragt haben die Ermittler auch den Landwirt Gerold Harms, dessen Hof in der Nähe liegt und der wie viele in der Gegend einen Holzvorrat hat. Die zweispurige Brücke sei auch am Abend noch eine viel befahrene Straße, die auch viele Fußgänger und Radfahrer nutzen, erzählt er. Der Täter könne dort mit dem Holzklotz nicht lange gestanden haben, sonst wäre er bemerkt worden, meint Harms. Er ist sicher: „Der Druck auf den Täter wird so groß sein, dass er sich stellen wird.“

Die niedersächsische Landesbehörde für Verkehr plant derzeit keine Maßnahmen, um zusätzliche Schutzvorrichtungen an Autobahnbrücken anzubringen: „Wir sehen im Augenblick keine bautechnisch sinnvollen Maßnahmen, die so viel kriminelle Energie eindämmen könnten“, sagte eine Sprecherin. dpa/ddp

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