Welt : Keine Joints mehr für Deutsche in Holland

Den Haag will Mitgliedschaften in Coffeeshops einführen

-

Den Haag (klb). Der Besitz von bis zu fünf Gramm leichter Drogen ist in den Niederlanden erlaubt, der Verkauf wird – je nach Gemeinde – in den sogenannten Coffeeshops geduldet. Besonders im Grenzgebiet zu Deutschland zieht das den Drogentourismus an. Deshalb empören sich regelmäßig niederländische Grenzbewohner über Deutsche, die nach Besuch eines Coffeeshops über die Stränge schlagen. Und die deutschen Sicherheitsbehörden beklagen sich über Deutsche, die die Straßen unsicher machen und Marihuana nach Deutschland mitbringen. Damit soll nun Schluss sein.

Nach einem Vorschlag des niederländischen Justizminister Piet Hein Donner sollen die niederländischen Coffeeshops leichte Drogen künftig nur noch an Niederländer verkaufen können. Dazu will er entweder die Pflicht zur Ausweiskontrolle beim Kauf oder eine Coffeeshop-Mitgliedschaft einführen. Dann dürften die Läden, für die schon jetzt keine Reklame gemacht werden darf, nur noch an ihre eigenen Kunden verkaufen. Donner machte den Vorschlag auf Druck von Bundesinnenminister Otto Schily. Schily forderte die Niederlande zum wiederholten Mal auf, ihre Drogenpolitik zu überdenken.

Den deutschen Behörden sind dabei vor allem zwei Tatbestände ein Dorn im Auge: Das Einsickern von harten Drogen durch Kuriere aus den niederländischen Antillen, die kein Visum für die Niederlande benötigen. Das zweite Problem aus deutscher Sicht sind die grenznahen Coffeeshops, durch die das deutsche Verbot Cannabis zu vertreiben und zu konsumieren, unterlaufen wird.

In den Niederlanden selbst haben die Vorschläge Donners einen Sturm des Widerspruchs ausgelöst. Eine Abgeordnete der regierenden Linksliberalen nannte die Einführung von Klubmitgliedschaften für Coffeeshops unter Ausschluss von Ausländern „juristisch sehr zweifelhaft“, da sie gegen das Diskriminierungsverbot in der EU verstoße.

Darüberhinaus würde eine solche Maßnahme nur den illegalen Straßenhandel anfachen: „Dann kaufen die Niederländer das Cannabis eben selbst und verkaufen es vor dem Laden an die Deutschen weiter.“ Diese Entwicklung ist in Grenznähe schon heute zu beobachten. Ein Sprecher des Verbands der Coffeeshop-Betreiber erklärte, Donners Vorstoß sei nicht hinnehmbar: „Dank der Tolerierung der Coffeeshops haben wir weniger Abhängige von harten Drogen als Deutschland. Statt deutschem Druck nachzugeben, sollte man den Deutschen empfehlen, unserer Drogenpolitik zu folgen."

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben