Welt : (Keine) Nachrichten von Brooks

Murdochs wichtigste Managerin gibt auf. Nun muss sich sein Sohn eine Menge Fragen stellen lassen

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Am Ende. Rebekah Brooks ist jahrelang die wichtigste Mitarbeiterin für ihren Chef, den australischen Medienmogul Rupert Murdoch (links) gewesen. Nun geht sie. Foto: AFP
Am Ende. Rebekah Brooks ist jahrelang die wichtigste Mitarbeiterin für ihren Chef, den australischen Medienmogul Rupert Murdoch...Foto: AFP

Rupert Murdoch hat im britischen Medienskandal seine treueste Mitarbeiterin, Rebekah Brooks, geopfert und die Defensivstrategie zur Rettung seines Medienreiches geändert. Mehr als eine Woche nach Beginn der Aufregung um Lauschangriffe der Zeitung „News of the World“ ist die Topmanagerin von Murdochs britischer Mediengruppe News International zurückgetreten. Politiker aller Parteien begrüßten den Rücktritt als „überfällig“.

Murdoch persönlich und seine Zeitungsgruppe wollen sich am Wochenende mit ganzseitigen Anzeigen praktisch in allen britischen Zeitungen für die illegalen Attacken auf die Privatsphäre entschuldigen. Auch Brooks zeigte zum ersten Mal Zerknirschung. „Ich möchte sagen, wie Leid mir tut, was vorgefallen ist“, schrieb sie in ihrer Rücktrittserklärung. Ihr Wunsch, „auf der Kommandobrücke zu bleiben“, habe sie zum Brennpunkt der Debatte gemacht und Aufmerksamkeit von Versuchen abgelenkt, „die Fehler der Vergangenheit zu beheben“.

Eine Entschuldigung dürfte es auch von Rupert Murdoch und seinem Sohn James geben, wenn sie am kommenden Dienstag in einer mit Spannung erwarteten Sitzung vom Medienausschuss des Unterhauses vernommen werden. Auch Brooks ist vorgeladen. „Sie kommt nun als Opfer, nicht mehr als die trotzige rothaarige Lady auf dem brennenden Schiff“, kommentierte Ex-Labour-Vizepremier Lord John Prescott. Auch das Erscheinen der Murdochs geht auf den Strategiewechsel zurück. Am Donnerstag hatten sie die Einladung zur Anhörung zunächst abgelehnt. Erst nachdem ihnen eine förmliche Vorladung durch den Parlamentsdiener überstellt wurde, lenkten sie ein. Früher wurde geköpft, wer sich einer Parlamentsvorladung widersetzte.

Mit Brooks Rücktritt ist ein wichtiger Schutzwall für die Murdochs gefallen. „Die Aufmerksamkeit wird sich nun auf James Murdoch richten. Er hat eine Menge Fragen zu beantworten“, warnte der Labour-Parlamentarier Tom Watson. Als Vorstandsvorsitzender von News International genehmigte James Murdoch 2007 hohe Entschädigungszahlungen an einige Opfer von Hackangriffen. Kritikern wie Watson zufolge waren dies Schweigegelder und Vertuschungsmanöver. Oder Murdoch wusste nicht, was in seinem Unternehmen vor sich ging.

Parallel zu den britischen Ermittlungen und Parlamentsanhörungen droht den Murdochs nun auch in den USA Gefahr, wo das FBI wegen möglicher Hackangriffe auf Angehörige von 9/11-Opfern ermittelt. Auch der Kongress könnte die Murdochs zur Vernehmung vorladen.

Britische Politiker hatten Brooks Rücktritt gefordert, seit bekannt wurde, dass die „News of the World“ 2002 in ihrer Zeit als Chefredakteurin das Handy der 13-jährigen, entführten und später ermordeten Milly Dowler abhörte. Brooks wird nun durch einen TV-Manager ersetzt, den bisherigen Chef von Sky Italien, Tom Mockridge. Beobachter und Kommentatoren sehen das als Hinweis darauf, dass sich Murdoch von den defizitären britischen Zeitungen trennen könnte.

Zu den schwerwiegenden Vorwürfen gegen Brooks gehört, dass sie bei einer Parlamentsanhörung vor zwei Jahren die Abgeordneten mit ihren Aussagen irregeführt haben könnte. „Bei News International finden Vertuschungsmanöver statt“, sagte Watson gestern. Der Abgeordnete bestritt aber, dass sich Parlamentarier und ein Teil der Presse in einen „Blutrausch“ gegen die Murdochs gesteigert hätten.

Allerdings gab es nach den zum Teil von Emotionalität und viel selbstgerechter Entrüstung geladenen Attacken nun auch Rückzieher. Der „Guardian“ musste sich bei Murdochs „Sun“ entschuldigen und zugeben, dass Berichte, die „Sun“ hätte medizinische Aufzeichungen über den kranken Sohn von Ex-Premier Gordon Brown gestohlen, falsch waren. Die „Sun“ hatte die Information legal von privater Seite erhalten. Brown selbst hatte in einer Unterhausrede gegen Murdoch gewütet und behauptet, er habe 2010 schon eine richterliche Untersuchung von Murdochs Medieneinfluss verlangt, sei aber vom Beamtenapparat und Kabinettskollegen gehindert worden. Das Cabinet Office veröffentlichte am Freitag das Dossier dazu. Daraus geht hervor, dass man Brown lediglich auf die Wahrscheinlichkeit rechtlicher Einsprüche gegen eine solche Untersuchung hinwies. „Brown versucht, die Geschichte umzuschreiben“, kritisierte Vizepremier Nick Clegg den Ausbruch. Brown gilt selbst als Beispiel für die ungesunde Nähe zwischen britischen Regierungen und den Murdoch-Zeitungen.

Die „Sun“ deutete am Freitag auch dezent an, dass andere Zeitungen nicht unschuldig seien. Eine Freundin des früheren England-Fußballnationaltrainers Sven Goran Eriksson sei vom „Daily Mirror“ abgehört worden.

Derweil bläst das Internet-Netzwerk Avaaz zur Jagd auf das Murdoch-Imperium. Die Organisation, die mit Internetpetitionen weltweite Kampagnen in Gang bringt, hat ihre Anhänger aufgefordert, mit Mitteln der Murdoch-Presse nun auch Murdoch selbst zu Fall zu bringen. So sollen beispielsweise Detektive beauftragt werden, das Geschäftsgebaren zu untersuchen oder Prominente motiviert werden, sich von der Murdoch-Presse abzuwenden. mit deh

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