Welt : Keine Panik

Erstmals wurde die Vogelgrippe von Mensch zu Mensch übertragen. Experten geben dennoch Entwarnung

Adelheid Müller-Lissner

Erstmals wurde vor einigen Tagen nachgewiesen, was viele seit Monaten fürchten: Das gefährliche Vogelgrippe-Virus H5N1 wurde in einem Fall von Mensch zu Mensch übertragen. Wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) bestätigte, hat sich ein Mann aus Indonesien, der an der H5N1-Infektion verstarb, direkt von seinem zehnjährigen Sohn angesteckt. Beide gehören zu einer Familie von der Insel Sumatra, von der sich im Mai mehrere Mitglieder infizierten und sieben starben. Bei Laboruntersuchungen zeigte sich, dass das Virus bei Vater und Sohn die gleiche charakteristische kleine genetische Veränderung trug. Bei den restlichen Familienmitgliedern und bei Tieren in der Umgebung wurde sie nicht gefunden.

Grund zur Besorgnis ist mit dieser Infektion von Mensch zu Mensch aber nicht automatisch gegeben. Denn bisher gehen die Experten davon aus, dass eine solche Infektion für das Virus eine Sackgasse bleibt. So blieben auch an die 50 Verwandte, die mit der Familie Kontakt hatten, von der Seuche verschont.

Anders sähe es aus, wenn der Erreger sich so verändern oder mit menschlichen Influenza-Viren mischen würde, dass es auch unter Menschen zu einer Infektions-Kettenreaktion kommen kann. „Es sind keine Veränderungen des Virus festzustellen, die mit einer verstärkten Übertragbarkeit auf Menschen verbunden wären“, beruhigte jetzt aber die WHO.

Auf Wunsch des Nationalen Indonesischen Komitees zur Kontrolle der Vogelgrippe, von WHO und der Food and Agriculture Organization der Vereinten Nationen hatten sich vom 21. bis zum 23. Juni internationale Experten in Jakarta getroffen, um über die Situation in Indonesien zu beratschlagen. Bisher haben sich dort nach Angaben der WHO in diesem Jahr 33 Menschen mit H5N1 infiziert, 27 von ihnen starben. Das zeigt, dass das Virus für Menschen ausgesprochen bedrohlich werden kann. Die bisherigen Fälle waren jedoch nicht mit genetischen Veränderungen des Virus verbunden.

Die Experten rechnen damit, dass sich auch in den nächsten Monaten in Indonesien immer wieder vereinzelt Menschen bei Tieren aus ihrem unmittelbaren Umfeld anstecken werden. Denn die Verbreitung des stark krankmachenden H5N1-Virus in den Geflügelbeständen ist groß. Wie groß genau, das weiß niemand. „Wir glauben, dass eine große Anzahl von Infektionen bei Tieren nicht erkannt wird“, so die WHO.

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