Welt : Keine posthume Würdigung Dianas als "Königliche Hoheit"

Earl Spencer kämpft weiter gegen die Krone / Noch immer pilgern Menschen zum Kensington-Palast LONDON (dpa).Der Bruder der tödlich verunglückten Prinzessin Diana, Earl Spencer, hat ein Angebot des britischen Königshauses abgelehnt, seiner Schwester den Titel "Königliche Hoheit" posthum erneut zu verleihen.Nur wenige Stunden nach der Trauerfeier für die Prinzessin am Sonnabend habe das Königshaus mit dem Grafen über diese Frage gesprochen, sagte ein Sprecher des Buckingham Palastes am Montag.Spencer hatte in seiner Trauerrede die Königin kritisiert, weil sie Diana den Titel bei der Scheidung von Prinz Charles 1996 genommen hatte. "Es war ihre (Dianas Familie) klare Überzeugung, daß die Prinzessin selbst keine Änderung ihres Status und ihres Titels zum Zeitpunkt ihres Todes gewünscht hätte.Auch die Familie Spencer wollte keine Änderung", sagte der Sprecher der Familie am Montag. Graf Spencer hatte bei der Trauerfeier über seine Schwester gesagt: "Ihr natürlicher Adel war klassenlos, und sie konnte im letzten Jahr beweisen, daß sie keinen königlichen Titel brauchte, um ihren eigenen Zauber zu verbreiten." Auch zwei Tage nach der Trauerfeier reißt der Strom von Besuchern nicht ab, die der Prinzessin vor dem Londoner Kensington-Palast gedenken.Hunderte versammelten sich am Montag morgen vor dem Gebäude, darunter viele Touristen aber auch Büroangestellte, die vor der Dienstzeit ihrer Bewunderung für die verstorbene Prinzessin Ausdruck gaben.Vor dem Palast liegt ein riesiges Blumenmeer. Die ganze Nacht über warteten unzählige Menschen in langen Schlangen geduldig, bis sie sich in die Kondolenzbücher eintragen konnten. Auf mehr als eine Million wurden die Blumengrüße vor den Palästen in London geschätzt.Sie sollen am Dienstag eingesammelt und, soweit noch verwendbar, an Krankenhäuser und Altenheime verteilt werden. Die Flut von Abschiedsbriefen, Teddybären und anderen Geschenken soll an Dianas Familie weitergeleitet werden.Auch vor dem Familiengut der Spencers in Althorp wuchs das Blumenmeer weiter.Mit den Buketts wurde nach Angaben der Familie das Grab Dianas geschmückt, das, der Öffentlichkeit nicht zugänglich, auf einer Insel im Gutspark liegt. Als Zeichen der Rückkehr zur Normalität wurde am Montag der über dem Buckingham-Palast auf Halbmast wehende Union Jack eingeholt. Der Labour-Abgeordnete Paul Flynn kündigte derweil an, er wolle im Unterhaus ein Referendum über die Monarchie vorschlagen.Im Falle des Todes oder Abdankens von Königin Elizabeth II.sollten die Briten befragt werden, ob sie die erbliche Monarchie beibehalten wollten, erklärte der für seine republikanischen Positionen bekannte Parlamentarier. Dem Vorstoß werden allerings nicht viel Chancen eingeräumt.Regierungschef Tony Blair hatte die Monarchie als "Tradition, die wir bewahren wollen" bezeichnet und hatte den Sonntag mit der Queen in Balmoral verbracht, um über die künftige Rolle des Königshauses zu beraten. Die öffentliche Kritik am Verhalten des Königshauses ging am Montag weiter.So warnte die monarchietreue "Times" vor einem Auseinanderdriften zwischen dem Haus Windsor und dem Volk.Wenn der Thron nicht rasch handele und sich der Modernisierung weiter verschließe, könne sich die Bitterkeit im Volk verfestigen. Lesen Sie zu diesem Thema:

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