Welt : Keine Täterin: Nykänens Frau ist wieder frei

André Anwar[Stockholm]

Der Verdacht des Mordversuches mit einem Messer lastet immer schwerer auf dem weltberühmten Skispringer Matti Nykänen. Am Freitag entschied Haftrichter Seppo Tervonen, den vierfachen Weltmeister und vierfachen Olympiasieger aus der zunächst provisorischen in permanente Untersuchungshaft im Gefängnis von Tampere zu überführen. Die Entscheidung gilt nach finnischem Recht für zwei Wochen, dann muss der Haftrichter erneut entscheiden, ob er eine Verlängerung der U-Haft für notwendig erachtet.

„Der Prozess findet in zirka zwei Monaten statt“, sagt der für den Fall verantwortliche Kommissar Pasi Nieminen von der Polizei in Nokia. Selbst Nykänens Frau Mervi wurde anfangs verdächtigt, an der Tat teilgenommen zu haben. Inzwischen ist sie aber wieder auf freiem Fuß. „Das war mein Beschluss“, sagt Nieminen. „Wir haben festgestellt, dass Nykänens Ehefrau in diesem Fall eine Zeugin ist und kein Täter.“ Wie viel die Ehefrau von der Bluttat verriet, wollte Nieminen nicht preisgeben.

Im Haus ihrer Familie soll Nykänen am Dienstagnachmittag einen Bekannten nach einer durch Alkoholgenuss beeinflussten Auseinandersetzung über die Regeln des „Fingerhakelns“ brutal niedergestochen haben. Der Mann liegt seitdem schwer verletzt, aber außer Lebensgefahr im Krankenhaus.

Die Situation ist juristisch besonders brenzlig für Nykänen, weil er bereits im März wegen einer Messerattacke auf seine Frau zu vier Monaten Bewährungsstrafe verurteilt wurde. Nach wie vor gibt es weltweit keinen Skispringer der so viele wichtige Preise gewonnen hat. Aber seit dem Ende seiner Karriere beherrschten Schlagzeilen über Depressionen, Alkoholexzesse, gewalttätige Übergriffe, den Verkauf seiner Medaillen wegen Geldmangels und peinliche Versuche, sich als Pornodarsteller und Popsänger zu etablieren, die finnische Presse. In seiner Biografie „Gruß aus der Hölle“ beschreibt er seinen eigenen dramatischen Niedergang, die Einsamkeit die ihn erwartet, seit seine falschen Freunde ihm den Rücken zukehrten, weil er nicht mehr so populär war. Ganz offen gibt Nykänen zu, dass er nach dem glanzlosen Ende seiner Karriere in ein „schwarzes Loch“ gefallen ist.

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