Welt : Keine Wildtiere mehr

Bundesrat will Verbot im Zirkus fordern.

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Nicht mehr in der Manege? Elefanten im Zirkus Universal Renz. Foto: dpa
Nicht mehr in der Manege? Elefanten im Zirkus Universal Renz. Foto: dpaFoto: dpa

Berlin - Keine Affen mehr im Zirkus, kein Elefant, kein Bär, kein Flusspferd, kein Rhinozeros? So könnte es bald kommen, denn im Bundesrat ist man mit großer Mehrheit der Meinung: Bestimmte Wildtiere gehören nicht in das Rund der Arena, sollen nicht mehr zur Gaudi der Zirkusbesucher auftreten dürfen. Und daher will die Länderkammer an diesem Freitag die Bundesregierung auffordern, unverzüglich eine Rechtsverordnung auf den Weg zu bringen, um den Zirkusdirektoren das Halten einiger wild lebender Arten zu verbieten. Auch die Giraffe ist darunter. Zwar gab es am Donnerstag noch gewisse Bedenken in einigen Ländern – „Beamtenzirkus“, meinte ein spöttischer Beobachter. Der Berliner Tierschutzbeauftragte Klaus Lüdcke jedenfalls hält das Vorführen von Wildtieren für schädlich und für das Publikum nicht mehr zeitgemäß. Eine Ländermehrheit sieht das auch so.

Natürlich ist das Vorhaben umstritten, weshalb die Bundesregierung seit 2003 einen ersten Vorstoß des Bundesrates aus jenem Jahr bis heute ignoriert haben. Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) ziert sich auch noch. Sogar verfassungsrechtliche Bedenken hat sie sich von ihren Hausjuristen vortragen lassen, denn kommt ein Wildtierverbot zum Beispiel nicht einem Berufsverbot für Dompteure nahe? Freilich macht die geschlossene Länderfront einschließlich Bayerns nun doch Eindruck. Die Länder, hat Aigners Sprecher gesagt, sollten nun ihre „Überwachungskenntnisse“ übermitteln. Wenn sich dann herausstelle, dass tierschutzgerechte Haltung nicht möglich sei, würden weitere Optionen geprüft. Dazu könne auch ein Verbot gehören.

Tierschützer freuen sich über den Bundesratsvorstoß. „Wildtiere leiden im Zirkus unter extrem mangelhaften Haltungsbedingungen, ständigen Transporten und artfremden Kunststücken“, sagt Thomas Pietsch von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten. Die winzigen Käfige und Außengehege böten den Tieren zu wenig Bewegungsmöglichkeiten, die Elefanten seien zudem jeden Tag stundenlang angekettet.

Zirkusleute sehen das naturgemäß anders. Der „Circus Krone“ etwa lehnt das Vorhaben ab und verweist auf das Tierschutzgesetz. Wo dem zuwidergehandelt würde, müssten die Behörden eingreifen. Zirkusse hätten aber die Aufgabe, ihren Besuchern exotische Tiere vorzuführen. Umstritten ist auch, ob für die Tiere wirklich ein großer Unterschied besteht zwischen den darwinistischen Bedingungen der freien Wildbahn und dem beengten Arbeitsleben im deutschen Zirkus. Der bekannte Verhaltensbiologe Immanuel Birmelin etwa meint, der Einsatz im Zirkus schade den Tieren nicht, es gebe keine wissenschaftliche Begründung für ein Verbot. Die Befürworter hingegen verweisen ausdrücklich auf wissenschaftliche Untersuchungen, die das anzweifeln.

Die Beratungen im Agrarausschuss des Bundesrats waren offenbar sehr detailliert. Was zum Beispiel soll mit den Tieren passieren, die schon da sind und ihre Auftritte haben? Die Lösung: Für diese soll „unter Berücksichtigung deren Lebensdauer eine Übergangsfrist vorgesehen werden“. Aus dem Amtsdeutsch übersetzt heißt das wohl, im längsten Fall dürfen sie bleiben, bis sie tot sind. Ganz humorlos scheinen die Beratungen auch nicht verlaufen zu sein. Jedenfalls empfiehlt der Ausschuss, in der Entschließung des Bundesrats noch klarzustellen, „dass das Wort ,Affen’ alle Arten der Ordnung Primaten außer dem Menschen umfasst“. mit dpa/dapd

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