Welt : Keine Zigarette am Steuer

Gerd Höhler

Die Regierung im griechisch kontrollierten Süden der Mittelmeerinsel Zypern will gegen blauen Dunst im Straßenverkehr vorgehen. Den zypriotschen Automobilisten soll nach dem Telefonieren jetzt auch das Rauchen am Steuer untersagt werden. Das sieht ein kürzlich vom Kabinett in Nikosia verabschiedeter Gesetzentwurf vor. Aber das kleine Inselparlament revoltiert. "Nie und nimmer" werde der Entwurf die Zustimmung der Volksvertretung finden, schwört der Regierungs-Abgeordnete Nikos Anastassiadis. Paffende Parlamentarier aller Parteien haben sich nun verbündet, um den Gesetzentwurf zu kippen. "Ich kann es nicht glauben", kommentiert fassungslos der Oppositionspolitiker Doros Christodoulides die Gesetzesvorlage. "Das riecht nach Faschismus, wir werden uns weltweit zum Gespött machen, wenn wir dieses Verbot erlassen", meint der Abgeordnete, der nach eigenem Eingeständnis ein "starker Raucher" ist.

Gesundheitsminister Frixos Savvides dagegen sieht das geplante Rauchverbot als "Pioniertat". In keinem anderen Land gebe es ein solches Gesetz, erklärt der Minister stolz. Der erzwungene Verzicht auf Zigaretten, Zigarren und Pfeifen am Steuer soll nicht nur ein Beitrag zur Volksgesundheit sein. Savvides verspricht sich vor allem einen Rückgang der Verkehrsunfälle. "Viele Zusammenstöße passieren, weil einem Fahrer die brennende Zigarette in den Schoß oder auf den Boden fällt", weiß der Gesundheitsminister.

Zypern hat nicht nur eine der höchsten Unfallziffern in Europa. Auch beim Tabakkonsum belegt die kleine Inselrepublik einen Spitzenplatz, nicht zuletzt wegen der extrem niedrigen Zigarettenpreise. Bereits zehn Prozent der unter 13-Jährigen, so eine jetzt veröffentlichte Studie, sind regelmäßige Raucher. Das Rauchverbot am Steuer ist nur eine von mehreren geplanten Maßnahmen. Der Gesetzentwurf sieht außerdem vor, dass künftig Restaurants, Bars und Nachtklubs Nichtraucherzonen einrichten müssen. Wer in solchen Bereichen dennoch raucht, muss mit einer sechsmonatigen Haftstrafe rechnen.

Anti-Raucher-Gruppen begrüßen die geplanten Maßnahmen. Zypern sei viel zu lange ein "Raucherparadies", sagen sie. Aber die Aussichten, dass der Gesetzentwurf das Parlament passiert, stehen nicht besonders gut. Was viele Abgeordnete empört, sind vor allem die hohen Bußgelder, mit denen Rauchen am Steuer geahndet werden soll. Umgerechnet bis zu 3400 Mark soll die Polizei kassieren dürfen, wenn sie einen rauchenden Fahrer erwischt. Wer dagegen während der Fahrt mit dem Handy hantiert oder ein Sandwich verzehrt, was ebenfalls verboten ist, kommt mit vergleichsweise preiswerten 170 Mark davon.

Eine "Unterdrückung" sei das Rauchverbot, klagt der Abgeordnete Prodromos Prodromou. "Als nächstes", ahnt Prodromou, "werden sie uns vielleicht vorschreiben, welche Musik wir im Autoradio hören dürfen."

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