Welt : Kekse, Kaffee und Gebete

Nach der nächtlichen Operation des Papstes bemüht sich der Vatikan schon wieder um Entwarnung

Paul Kreiner

Rom - Joaquín Navarro-Valls lächelt. Am Morgen nach der Operation und einer ruhig verbrachten Nacht, so sagt der Vatikansprecher, habe der Papst gefrühstückt, „und das mit gutem Appetit“. Alles, was man ihm hingestellt habe – „ich hab’s gesehen, das hat er aufgegessen: Milchkaffee, zehn kleine Kekse, Joghurt.“ Noch am Donnerstagmittag, nach der überstürzten Einlieferung Johannes Pauls II. ins Krankenhaus, hatte Navarro-Valls von einem „Rückfall in das grippale Syndrom“ gesprochen. Nun sagt Navarro-Valls, der Papst habe „keine Infektion“ gehabt, „kein Fieber“, nur eine „Verengung des Kehlkopfs“. Und der Luftröhrenschnitt am Abend, ergänzt der studierte Arzt, sei „keine Notoperation“gewesen, sondern diene nur dazu, die „Belüftung“ der Lungen sicherzustellen.

Nach der Operation habe sich der Papst „merklich erleichtert“ gefühlt: „Er atmet von sich aus; zur künstlichen Beatmung hat nie ein Grund bestanden.“ Die praktisch einzige Einschränkung diesen Angaben zufolge: Der Papst darf zur Schonung der Luftröhre und der Stimmbänder „ein paar Tage“ nicht reden.

Entwarnung hatte Navarro-Valls auch schon am 10. Februar gegeben. Da war Johannes Paul II. zwei Tage früher als erwartet aus dem Krankenhaus entlassen worden – manche in Rom meinen, der Papst habe die Klinik nur früher verlassen, um Stärke zu demonstrieren. Schon bei diesem ersten Krankenhausaufenthalt war offenbar ein Luftröhrenschnitt erwogen worden, um bei wieder einsetzender Atemnot die Lungen schneller und leichter mit Sauerstoff versorgen zu können.

Die Parkinson-Krankheit, an der Johannes Paul II. seit mehr als zwölf Jahren leidet, macht nicht nur die Atemmuskulatur im Brustkorb unbeweglich, sondern auch die Muskeln am oberen Ende der Luftröhre, im Hals. Atem- und Schluckbeschwerden gehören deshalb zum normalen Krankheitsbild. Ein Luftröhrenschnitt macht Patienten von diesem Halsbereich unabhängig.

Über eine Kanüle kann der Papst im Notfall künstlich beatmet werden. Es besteht also vorerst keine Lebensgefahr. Nach den widersprüchlichen Angaben von Navarro-Valls bleibt aber offen, ob die Infektion zurückgekehrt ist oder nicht. Genau sie wäre die größte Bedrohung für das Leben von Johannes Paul II.

Vor der Gemelli-Klinik bleiben deshalb die Fernsehteams in Stellung. Überall auf der Welt gehen die Gebete für Johannes Paul II. weiter.

Joaquín Navarro-Valls schließt seine Pressekonferenz mit der Anekdote, dass der Papst gleich nach dem Aufwachen aus der Narkose wieder gescherzt habe: „Was stellen sie bloß mit mir an“, habe er aufgeschrieben, „Pünktchen, Pünktchen, Pünktchen“, und dann: „Ich bin immer totus tuus“ – „ganz Dein“. Es bezieht sich auf die Gottesmutter Maria und ist der Wahlspruch Johannes Pauls II.

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