Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Der Mann den alle mögen

Julia Möhn

Man muss hier einmal über Haare reden. Sein Vorgänger trug graumeliert und sah aus wie der König jedes Tanztees. Der davor hatte wenig und das sehr bürgerlich-kurz, wie jemand, der besser nicht ohne Begleitung zum Tanztee gehen sollte. Und jener, der dieses sehr, sehr öffentliche deutsche Amt eigentlich bekleiden sollte, hatte einen Mittelscheitel und wirkte so, als sollte er lieber die Unterwasser-Gymnastik anleiten, wo er kraft seiner Motivationstechniken hohen Wellengang verursacht hätte.

Alle drei hatten übrigens einen Hang zu patzigen, unpassenden Bemerkungen in Stresssituationen, was dem Gesuchten einfach nie passiert. Das ist eine Frage von Stil und, nun ja, Herzensbildung. Unser Mann war frisurtechnisch nur einmal ungefähr auf der Höhe der Zeit, in jungen Jahren in Offenbach. Da wäre er mit seinem dünndrahtigen Lockenschopf bei einem "Scorpions"-Konzert nicht weiter aufgefallen.

Dass ihn spätere Anspielungen auf seine Nicht-Frisur und auf seinen beinahe ewigen Oberlippen-Bart buchstäblich überhaupt nicht scherten, ist charakteristisch für diesen Mann. Er geht seinen Weg immer gerade und nach eigenem Sinn, wenn auch früher mit vielen kleinen Haken und Wendungen verziert.

Er ist praktisch der einzige Star in seinem Orbit, dessen Privatleben weitgehend unbeobachtet bleibt. Man mag es ihm auch nicht antun. Dabei gäbe es einiges zu berichten: Fünf Kinder mit zwei Ehefrauen. Über die erste Hochzeit gab es einen kurzen Magazinbeitrag im Regionalprogramm von Radio Bremen. Die zweite fand im Ausland statt, und die bunten Blätter versuchten vergeblich, davon etwas zu erhaschen. Mit allen fünf Kindern fährt er einmal im Jahr in Urlaub. Ein Kunststück, das wohl gelingt, weil er fast immer auf Harmonie aus ist und Menschen für sich einnehmen kann, sogar Ex- und aktuelle Gattin zusammen.

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