Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein einsamer Wolf

Andreas Austilat

Der Mann macht Musik. So erfolgreich, dass ihn zwei große Musikzeitschriften in zwei verschiedenen Dekaden zum Musiker des Jahrzehnts ernannten. Dazwischen war er freilich unter seinen Fans auch mal reichlich umstritten, weil mal die einen und mal die anderen mit seiner Experimentierfreude so ihre Probleme hatten. Aber das scherte ihn gar nicht.

Ausgerechnet seinen größten Hit kommentierte er einmal wie folgt: "Das Lied brachte mich in die Mitte der Straße. Dort zu reisen, wurde schnell langweilig, also steuerte ich auf den Straßengraben zu. Eine viel rauhere Fahrt, aber ich sah da viel interessantere Leute." Und so machte er also sein Ding, machte einen Film, der die Kritiker ratlos hinterließ und die Branche auch. Den Musiksender MTV provozierte er mit der Frage, ob das "M" eigentlich für Music oder für Money stünde. Dem zeitweise verhassten Musikbusiness widmete er eigens ein Album. Und der Boss seines alten Labels verklagte ihn schließlich sogar wegen musikalischer Unzurechnungsfähigkeit.

Irgendwann war er wieder da, immer noch ganz der Alte, immer noch mit dieser leicht nöligen Stimme. Und Konzertbesuchern konnte es passieren, dass er seine Band mal eben Bier trinken schickte, während er das Programm ganz allein, nur mit Gitarre oder Mundharmonika bestritt.

So hatte er ja mal angefangen, in seiner Heimatstadt: Als Folkballadier. Inzwischen aber war er viel mehr, konnten sich Country-Hörer und Jazz-Freunde, verkannte Folk-Dichter und die Teenager der späten 90er gleichermaßen auf ihn einlassen. Ein Musiker verschiedener Jahrzehnte eben, der sein Image als einsamer Wolf bis heute pflegt.

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