Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein Genie mit schlechter Handschrift

Bas Kast

Anfangs hielt er nicht viel von Sport. Als Kind litt er etwas unter Koordinierungsschwierigkeiten: "Ich war nicht gut in Ballspielen, und meine Handschrift stürzte meine Lehrer in Verzweiflung." Doch mit 17 entdeckt er das Rudern - und als Student rudert er so mancher Konkurrenz davon.

Dann ändern sich die Dinge. Er spürt, dass er manchmal etwas ungeschickt ist. Ein- oder zweimal fällt er grundlos um. Kurz nach seinem 21. Geburtstag kommt er zwei Wochen zur Untersuchung ins Krankenhaus. "Sie nahmen Muskelproben von meinem Arm, steckten Elektroden in mich hinein."

Die Ärzte sagen ihm zunächst nicht, woran er leidet, "und ich hatte keine Lust, Details in Erfahrung zu bringen. Ich ahnte, dass sie schlecht sein müssen." Tatsächlich ist die Diagnose ein Schock: Amyotrophe Lateralsklerose (ALS), eine Krankheit, bei der die Nervenbahnen, die Bewegungen steuern, zunehmend zerstört werden.

Die Krankheit krempelt sein Leben komplett um. "Als ich aus dem Krankenhaus kam, träumte ich, dass man mich exekutieren würde." Die plötzliche Gewissheit seiner Endlichkeit spornt den jungen Mann zu Höchstleistungen an. Gleichzeitig lernt er seine zukünftige Frau Jane kennen. Er bewirbt sich "und zu meiner großen Überraschung bekam ich die Stelle, und ein paar Monate später heirateten wir".

Heute hat er drei Kinder und ein Enkelkind. Und entgegen allen ärztlichen Prognosen lebt er immer noch. Die Krankheit hat ihn nicht daran gehindert, Karriere zu machen. Im Gegenteil: Er ist ein Bestseller-Autor. Er gibt Vorträge in allen Herren Länder. Er ist so berühmt, dass man nicht mal sein Fachgebiet nennen kann, ohne ihn zu verraten.

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