Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein Mann der gerne austeilt

Jennifer Wilton

Er hat einen undankbaren Beruf. Einen, über den schon viel Hämisches geschrieben wurde. Einen, mit dem man sich wenig Freunde macht. Aber was ihm auf der einen Seite Missbilligung verschafft, verhilft ihm auf der anderen Seite auch zu einer treuen Anhängerschaft.

Seine Mutter war Deutsche, geboren wurde er aber in einem anderen Land. Erst mit neun Jahren kam er mit seiner Familie nach Berlin. Aber kaum hatte er das Gymnasium absolviert, wurde er verhaftet und deportiert. Ihm allerdings sollte gelingen, was nur wenige schafften: die Flucht aus dem Ghetto. Als er schließlich bei Ende des Krieges aus dem Untergrund auftauchte, widmete er sich der Politik. Nicht ohne Erfolg. Ende der vierziger Jahre war er sogar Konsul in London. Er merkte jedoch schnell, dass er eine Politik vertrat, hinter der er nicht stand. Und, was vielleicht noch wichtiger war: sein Herz hing immer schon an etwas ganz anderem.

Diese Leidenschaft war offenbar stärker, als die Vorbehalte gegen das Land, das ihm so übel mitgespielt hatte. Er kehrte nach Deutschland zurück. So richtig leicht wurde es ihm hier aber auch in Zukunft nicht gerade gemacht. Das erhoffte Studium war verpasst. Und in Hamburg zum Beispiel, wo er mehr als zehn Jahre arbeitete, war er offenbar recht einsam. Jedenfalls beklagte er später das Gefühl, zuweilen ausgeschlossen gewesen zu sein. Seine Arbeit aber machte er wie kaum ein anderer. Seine Beliebtheit wuchs und seine Medienpräsenz. Manchmal allerdings auch auf Kosten anderer. Denn Zurückhaltung ist nicht gerade seine hervorstechende Eigenschaft, lieber teilt er aus. Mit erhobenem Zeigefinger, wenn es sein muss.

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