Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: ein starker Junge aus Texas

Julia Möhn

Eigentlich müsste man zwei Menschen beschreiben: der eine vorher, der andere nachher. Der erste, junge, kam 1992 aus Texas nach Europa. Ein bulliger Typ, berstend vor Energie, der sich aufführte wie bei einem Provinz-Rodeo im Mittleren Westen. Das war ein Problem, denn das Metier, in dem er sich in der Alten Welt bewegte, ist reich an Traditionen und Konventionen. Dort macht man sich mit präpotenten Muskelspielen und Missachtung aller Regeln und Hierarchien nicht eben beliebt.

"Einige meiner Mitstreiter hätten mir wohl am liebsten eine in die Fresse gehauen", schreibt er in seiner Autobiografie. Die erschien über einen gerade erst 27-Jährigen und wurde ein Bestseller. Das hängt mit seinem zweiten Leben zusammen, das nach einer äußerst bedrohlichen und schmerzhaften Krise begann, die zugleich eine Art Wiedergeburt bedeutete. Plötzlich war er körperlich viel schmaler, reifer, abgeklärt und mit geradezu unheimlicher Entschlossenheit auf ein Ziel fixiert.

Aus der überwundenen Krise ist eine erfolgreiche Stiftung für Menschen in änlicher Lage entstanden, und ein wahrhaft leuchtendes Beispiel dafür, was mit Willensleistung möglich ist. Sein größter Rivale heute ist ein junger Deutscher. Die beiden sind denkbar verschiedene Typen, haben aber eine interessante Gemeinsamkeit: Sie sind weitgehend ohne Vater aufgewachsen, weil der Erzeuger sich früh davonmachte. Schlüsse daraus sind natürlich etwas spekulativ, aber die erwähnte Autobiografie legt den Gedanken nahe, dass damit ein Moment von Wut in ihre Kindheit kam. Vielleicht ist das die Quelle der gewaltigen Energien, die sie aufbringen müssen, um an die Spitze zu kommen.

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