Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein unfairer Marquis

Jennifer Wilton

Macht hat er - auch wenn sie "nicht so groß ist, wie geglaubt wird" -, Geld sowieso: was ihm jetzt noch fehlt, ist sein guter Ruf. Den wiederherzustellen wird vielleicht am schwierigsten. Denn das hieße, die Vergangenheit zu manipulieren. Vergangenheit hat der Gesuchte jede Menge.

Die Karriere wurde ihm praktisch schon in die Wiege gelegt. Als Spross einer Industriellenfamilie bekam er eine Ausbildung, über die deutsche Schule bis hin zum Studium in England, die direkt in den Chefsessel führen sollte. Tat sie auch. Nicht zuletzt aber, weil diese Sessel oft in offiziellen Gebäuden standen, halfen auch persönliche Beziehungen beim Aufstieg ein wenig nach. So ganz verinnerlicht hatte er die Vorstellung des "Fairplay" nicht, obwohl sie ihm als ehemaligem Hockeyspieler nicht ganz unbekannt gewesen sein dürfte.

In der Sportwelt spielte er dennoch weiter mit. Und bei allem Erfolg, hin und wieder verkalkulierte er sich. So musste er seine Heimatstadt in den siebziger Jahren verlassen, weil die vermeintlich richtige Seite eben manchmal schnell zur falschen werden kann, und er Volkes Zorn fürchten musste. Immerhin konnte er 15 Jahre später hocherhobenen Hauptes zurückkehren, wurde sogar vom Staatsoberhaupt geehrt.

Zu seinem Pech gibt es aber genug Leute, die nicht vergessen. Nicht seine Vergangenheit und ebenso wenig seine Geschäfte der letzten Jahre. Und darum wird es eben schwierig mit der Rehabilitation. Teilerfolge jedoch erzielte er schon: so wurde kürzlich als Würdigung seines Lebenswerkes ein ziemlich hoher Berg im asiatischen Hochgebirge nach ihm benannt. Das wird dem Marquis gefallen haben.

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