Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein verhinderter Bootsverleiher

Roland Schulz

Ob ihn seine erste Platte trotz oder wegen dieses Geräusches darauf zum Star machte, ist eine vollkommen unwichtige Frage, also "mir ganz egal", wie er sagen würde. Er hatte einfach einen satten Rülpser die Kehle hinauf donnern lassen und danach in einer seiner unnachahmlichen Stimmen verkündet: "Und das hat Mozart auch gesagt, und ich halte ihn für einen ausgesprochen guten Musikanten."

Seine Fans liebten ihn dafür ebenso wie für seine unzähligen anderen Hörbilder, in denen er vom Besitzer des Schäferhundes, der "ein echter Urenkel vom Onkel vom Hund vom Adolf Hitler" war, bis zum Ehemann der "Mai Grundwürmer, geborene Ling, 2785 Mark und a bisserl was ab Bangkok Airport" alles spielte, was in den Abgründen deutscher Spießigkeit zu Hause ist. Und zwar jedes Mal mit einer anderen Stimme: Er spricht alte, bärbeißige Männer ebenso wie junge, kicksende Frauen und hat zu Beginn seiner Karriere in einem Rundfunkbeitrag einmal eine gesamte Münchner Straße vorgestellt, indem er alle Stimmen selber sprach.

Mit der Sprache hatte es der geborene Münchner, schon vor seiner Karriere: Er hatte die Münchner Sprachenschule besucht und in Schweden nordische Sprachen studiert, bevor er als Dolmetscher und Übersetzer arbeitete. Mit dem Grimme-Preis in Silber wurde er für ein Werk ausgezeichnet, das nach Ansicht der bayerischen Staatsregierung nichts anderes war als eine "verleumderische und bösartige Ehrabschneidung."

Trotz seines Ruhms vermeidet er zu viele Auftritte, denn eigentlich, sei sein liebstes Hobby "Wohnen." Und wenn er es sich hätte aussuchen können, wäre er lieber Bootsverleiher am oberbayrischen Schliersee geworden.

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