Welt : Kennen Sie den?: Gesucht: Ein Weltgeist auf Achse

Bas Kast

Blödeln auf höchstem Niveau, das ist seine Stärke. Etwa zum Thema Mode. Sonderbar beispielsweise sei doch, was man auf deutschen Straßen zu sehen kriege: "Der normale Passant hat sich dort nämlich als Hochseefischer, Fallschirmjäger, Zirkusclown, Hochleistungssportler, Bürgerkriegssöldner, Lumpenproletarier, Hanswurst, Zuhälter oder Bomberpilot verkleidet". Die "Zeit" bezeichnete ihn als "schönhubernd", weil er im gleichen Text geschrieben hatte, dass der Feminismus als "Idealtypus den Trampel hervorgebracht" habe, "der keine Mühe scheut, seine etwa vorhandenen Vorzüge unter einer Schutzschicht von Schäbigkeit zu verbergen".

Schon als Teenager studierte er exotische Begriffe, ging seinem Bruder auf die Nerven, der nicht kapierte, warum er das bloß tat. Die Antwort: "Ich will Dichter werden!" Das wurde er, und er wurde so gut, dass Theodor W. Adorno 1960 in Frankfurt aus dem Fenster auf die Wohnung des Poeten zeigte und seinem Gast, Alexander Kluge, sagte: "Das ist der einzige, der dichten kann." Und Peter Rühmkorf meinte: "Vermutlich ist er überhaupt kein Festkörper, sondern ein Luftwesen, das Prinzip Hoffnung auf Rädern, der Weltgeist auf Achse".

Heute wohnt er in München, ist Herausgeber, hat Kinderbücher geschrieben, hat ein drittes Mal geheiratet und weitergedichtet. Von den Vorurteilen über Dichter aber erfüllt er keines: Er ist weder arm noch dumm. Rund 1 Mark 50 soll ein Zeitungsbuchstabe von ihm kosten. Und er hält es auch für "durchaus erlaubt", wenn Dichter denken. Sein Bruder Christian meint, auf Herzensbildung hätte er "immer heruntergeschaut". Die Antwort des Lyrikers, der seinem Bruder ja schon als Teenager mit seinen komplizierten Vokabeln auf die Nerven gegangen war: "Ach, der Christian, der weiß doch nichts"!

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