Welt : Kennen Sie die?: Gesucht: Ein ehemaliger Elefant im Porzellanladen

Roland Schulz

Bei den Männern ist sie unerbittlich. "Ein Herr", schrieb sie allen Männern von Welt und solchen, die es werden wollten, vor, "sollte nie so aussehen, als habe er sich über seine Kleidung allzu viel Gedanken gemacht." Sie nimmt mit allem vorlieb, nur mit keiner "dandyhaften" oder "schnieken" Eleganz.

Ihr Gatte, Johannes Baptista de Jesus Maria Louis Miguel Friedrich Bonifazius Lamoral geheißen, entsprach ihrem stilistischen Leitbild vollkommen. Sie selbst schien sich dagegen in den frühen Jahren ihrer Ehe sehr viele Gedanken über ihr Erscheinungsbild zu machen. Und ganz besonders über ihre Frisur, oder, wenn sie mal keine hatte, über die Art ihrer Kopfbedeckungen, die "auch Marsmenschen oder den Räuber Hotzenplotz nicht übel gekleidet hätten", wie eine Zeitung gehässig urteilte. Als sie in jener Zeit den Fragebogen des Magazins der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ausfüllte, beantwortete sie die Frage "Was möchten Sie sein?" mit "Ein Elefant im Porzellanladen".

Inzwischen hat sich die Dame gewandelt. Nach dem Tode ihres Mannes nahm sie die Geschicke ihrer Familie in die Hand: Gegen den Willen der früheren Manager baute sie den Familienkonzern um, trennte sich von ihrer Harley-Davidson, schrieb ihre Stil-Regeln in einem Ratgeber über Benimmfragen nieder und wurde das, was ihr schrilles Outfit von einst am wenigsten versprochen hatte: Eine gute Mutter ihrer drei Kinder.

Im Herbst des Jahres 1999 predigte sie sogar in der Regensburger Schottenkirche, die zum dortigen Priesterseminar gehört. Dabei zeigte sie sich in gediegener Kleidung - und als traditionelle Katholikin. "Der Papst und die Bischöfe", predigte sie, "sind die Garanten unseres Glaubens."

0 Kommentare

Neuester Kommentar