Kernkraftwerk Brunsbüttel : Verrostete Atommüllfässer entdeckt

Im Zwischenlager des im Vorjahr stillgelegten Kernkraftwerkes Brunsbüttel sind korrodierende Atommüllfässer entdeckt worden. Der Energiekonzern Vattenfall wusste offenbar schon länger von dem Fund.

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Eines der entdeckten Stahlblechfässer aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel.
Eines der entdeckten Stahlblechfässer aus dem stillgelegten Kernkraftwerk Brunsbüttel.Foto: dpa

Die Atomaufsicht in Schleswig-Holstein schlägt Alarm: Im Feststofflager des im Vorjahr stillgelegten Kernkraftwerkes Brunsbüttel sind korrodierende Atommüllfässer entdeckt worden. Das hat offenbar mit der Lagerung in unterirdischen Kavernen zu tun, mutmaßt das zuständige Justizministerium, das nun weitere Prüfungen angeordnet hat und vor allem vom Bundesumweltministerium fordert, auch in Zwischenlagern anderer Atommeiler entsprechende Nachforschungen anzustellen.

Der Vorgang, der den parteilosen Kieler Minister Emil Schmalfuß aufgeschreckt hat, liegt bereits über zweieinhalb Monate zurück. Bei einem Umfüllprozess eines Fasses in einen Gusscontainer, der den Erfordernissen der im niedersächsischen Schacht Konrad frühestens 2019 anstehenden Endlagerung entspricht, wurde das verrostete Fass entdeckt. Seit 2004 erfolgen laut Aufsichtsbehörde solche Umsaugvorgänge, die pro Fass etwa zwei bis drei Stunden in Anspruch nehmen. Der TÜV Nord fand nun am 10. Januar einen Protokolleintrag des Betreibers Vattenfall mit einer Arbeitsdauer von acht Stunden. Erst auf Nachfrage reagierte der Energiekonzern und räumte den Zwischenfall ein. Noch rund 500 Fässer mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen befinden sich derzeit in den Kavernen. Seit September 1981 hat es dort Einlagerungen gegeben. Nach Auskunft des Ministeriums sind die Kavernen nicht begehbar, und es gebe auch kein komplettes Sichtfeld auf die Stahlblechfässer. Wie viele Rostfässer es tatsächlich gibt, wird nun ermittelt.

Eine Gefahr für Mitarbeiter und Anwohner habe bei dem Vorfall laut Schmalfuß nicht bestanden, unzulässige Radioaktivität sei nicht freigesetzt worden. Schmalfuß zeigte sich verärgert darüber, dass Vattenfall sein Ministerium nicht informiert hatte. Das Energieunternehmen beruft sich unterdessen darauf, dass es sich um kein meldepflichtiges Ereignis gehandelt habe. Genau hier sieht Schmalfuß eine Lücke im kerntechnischen Regelwerk. Dieses gelte es bezogen auf den Sachverhalt der Atommülllagerung zu präzisieren und mit strengeren Sicherheitskriterien zu versehen, sagte der Minister in Kiel.

Er hat Vattenfall inzwischen aufgefordert, die Kavernen mit Betonriegeln zu verschließen und alle vorgesehenen Arbeiten vorerst einzustellen. Ferner forderte er von dem Betreiber ein Konzept zur Handhabung der Rostfässer ein. Die Grünen in Schleswig-Holstein fordern, Vattenfall die Betriebserlaubnis für das Kernkraftwerk Brunsbüttel zu entziehen. Schmalfuß teilte mit, dass die Zuverlässigkeitsprüfung des Betreibers seitens der Atomaufsicht noch nicht abgeschlossen sei.

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