Welt : Keusch bis zum Knie

Ein bayerischer Schulleiter will Mädchen ein hässliches T-Shirt aufzwingen, wenn sie bauchfreie Tops tragen

Rudolf Huber[Schwabmünchen]

Von Rudolf Huber,

Schwabmünchen

Zu viel nackte Haut im Unterricht? Nicht in der Leonhard-Wagner-Realschule im bayerischen Schwabmünchen bei Augsburg. Wenn Schülerinnen hier ein bauchfreies Top tragen, kommt das „Anstands-T-Shirt“ zum Einsatz: Ein XXXL-Shirt in hässlichem Lachsrosa, das garantiert den ganzen Oberkörper bedeckt – das müssen die Schülerinnen dann im Unterricht tragen. Mit dem hässlichen, übergroßen Straf-Shirt will Direktor Hans Lippert den Lernerfolg im Unterricht verbessern. „Es steht ja wohl fest, dass bei den Jungs die Aufmerksamkeit gegen null geht, wenn da ein halb nacktes Mädchen vor ihnen sitzt“, begründet er sein Keuschheits-Shirt. Es gehe einfach nicht an, „dass der Hintern halb raushängt und der Tanga aus der Hose schaut“. Nach seinen Angaben reicht das übergroße Straf-Shirt den Mädchen bis zum Knie.

Die Drohung wirkt

Den Fall hatte die „Süddeutsche Zeitung“ ausgegraben. Schulleiter Lippert hat mit seinem Kampf gegen die Schülerinnen Erfolg: Diese halten sich jetzt deutlich zurück – und das nicht wegen der bisher niedrigen Temperaturen. Diese hatten sie zuvor nicht gehindert, die derzeitige Mode zu tragen.

Das Maxi-Shirt kam bisher erst einmal zum Einsatz – mit der Auflage an die Schülerin, es am nächsten Tag wieder frisch gewaschen in die Schule zu bringen.

Die Eltern, die per Brief über die ungewöhliche Maßnahme unterrichtet wurden, sind „nahezu ausnahmslos dafür“, beteuert Lippert. Auch das Kultusministerium kann sich mit dem T-Shirt-Erlass anfreunden. Unter der Bedingung, dass kein Zwang angewendet wird. „Die Idee wurde vom Elternbeirat einstimmig befürwortet“, sagt dessen Vorsitzender Lorenz Klotz. Auch im Schulforum, in dem Schüler, Lehrer und Eltern vertreten sind, gab es keinerlei Einwände. Albin Dannhäuser, Chef des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (BLLV) gratulierte seinem Kollegen Lippert gestern sogar zu der „originellen und pfiffigen Idee“. Das Anstands-T-Shirt von Schwabmünchen könne seiner Meinung nach Modellcharakter auch für andere Schulen haben.

In den letzten Monaten hatten Schulleitungen in mehreren Bundesländern versucht, Schülerinnen andere modische Standards aufzuzwingen, als die derzeit aktuellen. Manche Schulleiterinnen und Schulleiter konnten sich dabei öffentlichkeitswirksam in Szene setzen, wie die niedersächsische Schulleiterin Helga Akkermann, die als Erste eine Kleiderordnung einführte, die bauchfreie Tops verbot. Bremens bis dahin eher unbekannter Bildungssenator Willi Lemke brachte es als Vorkämpfer gegen „Reizwäsche“ via „Bild“ zu Berühmtheit. Einzig der Bundeselternrat bot den Schulen die Stirn und warf den Lehrern umgekehrt vor, in Sachen Kleidung kein Vorbild zu sein. „Einige Lehrer kleiden sich so schlecht, dass sie dafür in manch einer Firma entlassen würden“, sagte die Vorsitzende Renate Hendricks.

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