Welt : Kieler Woche: Explosion vor den Augen der Zuschauer

Thomas Lange

Mit der großen Windjammerparade erlebte die Kieler Woche gerade ihren Höhepunkt, als der Lastwagen mit dem Feuerwerk explodierte. Bei dem Unglück wurden am Sonnabend, wie berichtet, fünf Menschen zum Teil schwer verletzt. Polizeidirektor Werner Tanck teilte am Sonntag mit, ein technischer Defekt sei nach ersten Ermittlungen vermutlich die Ursache für den Unfall auf dem Gelände der Howaldtswerke Deutsche Werft AG (HDW). Es gebe keine Erkenntnisse auf menschliches Versagen.

Nach Angaben der Polizei kam es bei Vorbereitungen zu dem Abschlussfeuerwerk zu einer Fehlzündung. Ein Feuerwerkskörper explodierte neben einem Lastwagen und traf einen 40-jährigen Mann am Arm. In einer Art Kettenreaktion ging weiteres pyrotechnisches Material hoch, das neben und auf dem Laster gelagert war. Nach ersten Schätzungen explodierten insgesamt zwischen 300 und 400 Kilogramm Schwarzpulver. Die Feuerwehr löschte binnen einer halben Stunde einen Brand, den die Explosionen ausgelöst hatte.

Bei den Verletzten handelt es sich um Mitarbeiter der Feuerwerksfirma. Der 40-Jährige erlitt einen Trümmerbruch im Arm. Ein weiterer Beschäftigter wurde ambulant im Krankenhaus behandelt, drei Verletzte vor Ort. Zwei Männer und eine Frau retteten sich durch einen Sprung in die Förde und wurden wenig später von einem Polizeischlauchboot geborgen.

Das Unglück ereignete sich vor den Augen der Zuschauer, die die große Windjammerparade verfolgten.

Oberbürgermeister Norbert Gansel berichtete, ein Mitarbeiter der Feuerwerksfirma habe "mutig und beherzt" einen zweiten Lastwagen aus der Gefahrenzone gebracht. Trotz des Unglücks habe sich die Stadt entschieden, am Sonntagabend das Feuerwerk in einer kleineren Form zu veranstalten. Trotz des Unglücks zog Gansel am Sonntag eine positive Bilanz der Kieler Woche. Es sei eine fröhliche und friedliche Veranstaltung gewesen. Etwa drei Millionen Menschen besuchten in den vergangenen zehn Tagen die schleswig-holsteinische Landeshauptstadt.

Mehr als 100 000 Zuschauer an Land verfolgten bei "Schietwetter" die Windjammerparade mit 100 Groß- und Traditionsseglern. Tausende begleiteten die Windjammer auf Booten und Yachten. Die Kieler Woche gilt als das größte Segelsportereignis der Welt.

Angeführt wurde der Segler-Konvoi diesmal von der "Alexander von Humboldt" mit ihren markanten grünen Segeln. Der 63 Meter lange Dreimaster übernahm diese Rolle an Stelle des Marine-Schulschiffs "Gorch Fock", das in den USA weilt. Längstes Schiff der Parade war die ukrainische "Khersones", die mit knapp 109 Metern zu den größten Segelschiffe in der Welt gehört.

Nach der "Alexander von Humboldt" segelten bei leichtem Südwestwind zehn weitere Führungsschiffe auf die Außenförde hinaus. Sie wurden von Lotsen dirigiert und hatten jeweils mehrere kleinere Segler im Gefolge. Am frühen Nachmittag verteilten sich die vorwiegend deutschen und niederländischen Windjammer auf der Außenförde und segelten dem Ende der diesjährigen Kieler Woche entgegen.

Die internationale Seglerelite nutzte die Kieler Woche zur Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Sydney. Sportler aus 55 Nationen waren mit etwa 1500 Booten in den olympischen und nicht olympischen Klassen dabei.

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