Welt : Killer: Für eine Hand voll Mark

Peter Niggl

Ein Mordauftrag hat Jochen Wolf endgültig zu Fall gebracht. Nun sitzt er im Gefängnis. Für 15000 Mark wollte der ehemalige Brandenburger Bauminister einen Killer anheuern, der seine Frau umbringen sollte. Ursula Wolf, das Opfer des Mordplanes, kann sich nur ein Motiv dafür vorstellen: "Geldgier", sagt sie. Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung zu urteilen, kann auch Rache ein Grund sein. Die Zeitung berichtete von einer "Todesliste", nach der der Ex-Minister unter anderem die Ermordung von Brandenburgs Ministerpräsident Manfred Stolpe geplant haben soll, ebenso wie die eines Amtsrichters und eines Journalisten dieser Zeitung. Alle drei haben Wolf - so dessen Sicht - böse mitgespielt.

Die Logik für einen Mordauftrag ist simpel und soll die kriminalistische Binsenweisheit aushebeln, wonach das Motiv zu dem Mörder führt. Wer die Verbindung vom Täter zum Opfer unterbricht, indem er einen außenstehenden Killer anheuert, der erschwert die Aufklärung. Der Auftraggeber verschafft sich ein Alibi und verwischt seine Spuren.

Drei Jahrzehnte liegt es zurück, dass ein Düsseldorfer Gericht den Kleinkriminellen Felix Kamphausen wegen eines versuchten Auftragsmordes zum ersten deutschen Killer "nach amerikanischem Vorbild" ausrief. Seither sind Mordaufträge und Auftragsmorde auch in Deutschland fester Bestandteil im Spektrum des Verbrechens geworden. Die meisten Fälle spielen aber nicht im Milieu der politischen Attentäter und geheimdienstlichen Dunkelmänner. Meist werden Mordpläne in den biederen Wohnzimmern des Mittelstandes geschmiedet.

Und es sind nicht nur Männer, die für Geld einen Killer anheuern. Während in der Statistik des Bundeskriminalamtes für das vergangene Jahr die weiblichen Mordverdächtigen knapp zwölf Prozent ausmachen, ist ihr Anteil bei Mordaufträgen weit höher und beträgt gut 50 Prozent. Fast klischeehaft sind jene Fälle, bei denen eine Dame das Geld ihres in die Jahre gekommenen und längst nicht mehr geliebten Ehemanns gerne mit einem jungen Liebhaber ausgeben will.

Für alle, die Mordabsichten hegen, bleibt eine Frage zu lösen: Wie einen Killer finden? Oft gehen die Auftraggeber mit kindlicher Naivität vor. Eine Frau aus dem Stuttgarter Raum zum Beispiel heuerte eine Berliner Unterweltgröße an, nachdem sie den Mann im Fernsehen gesehen hatte. Eine Baronin aus der Nähe von Frankfurt inserierte im "Neuen Deutschland", in der Hoffnung, im Osten seien auch solche Arbeitskräfte noch billig zu haben. Sie suche einen "einsatzbereiten, jungen Mann, 25 bis 35 Jahre, vorbestraft, gute Verdienstmöglichkeiten", stand da. Ein Erfurter Kleinkrimineller meldete sich, erhielt 500 Mark Anzahlung und ging dann zur Polizei.

Andererseits sind es oft die Dilettanten, die Aufträge eiskalt ausführen. In Frankfurt am Main zum Beispiel heuerte ein 18-jähriger Schüler gegen einen Sold von 10000 Mark einen Freund an, seine Eltern umzubringen. Der erledigte das, wurde gefasst, noch bevor die Leichen gefunden waren.

Die Suche nach einem Killer führt die Polizei meist in Kreise, die zur Halbwelt gehören. Es finden sich Entwurzelte, Stumpfe, Kalte, die für 20000 oder 50 000 Mark die letzten Skrupel ablegen. Summen wie die umgerechnet 600000 Mark, die Patrizia Reggiani für den Mord an ihrem Ex-Mann, dem Mailänder Modezaren Maurizio Gucci, bezahlt haben soll, sind Ausnahmen.

Die Reihe derer, die einen Mord auf Bestellung ausführen, reicht vom international operierenden Profikiller (der allerdings sehr viel seltener vorkommt, als gemeinhin angenommen), über den arbeitslosen Fleischer, abgebrannte Kneipenbrüder bis zu Hilfsarbeitern und Diskotheken-Einlassern. Im Fall des Brandenburger Ex-Ministers Wolf war ein vorbestrafter ehemaliger Fremdenlegionär und Türsteher als Killer angesprochen worden.

In den USA konnten sich lange Zeit zahlungswillige Mordauftraggeber ihren hit man, den Killer, mit einem Inserat im Söldnermagazin "Soldier of Fortune" ordern - bis Gerichte und Regierung dem einen Riegel vorschoben. In Deutschland ist solch eindeutiges Inserieren unmöglich.

Doch auch wenn der angeheuerte Killer sich rechtzeitig offenbart und zur Polizei geht, ist er noch nicht aus dem Schneider. Seinen vorab kassierten Mörderlohn jedenfalls muss er wieder hergeben, wie das Oberlandesgericht Stuttgart entschied: "Der Auftraggeber eines vermeintlichen Berufsschlägers oder Berufskillers kann den vorausgezahlten Lohn zurückfordern, wenn der Beauftragte den Auftrag von vornherein nur zum Schein angenommen hat."

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