Welt : Killer oder Opfer einer Verschwörung?

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Die Story liest sich wie ein schlechter Krimi. Ein ehemaliger Bundestagsabgeordneter der Grünen und suspendierter Polizist trifft sich mit einem ExKollegen und verabredet mit ihm einen Überfall auf einen Geldtransporter. Den Wachmann will er in Berlin umlegen. Um an den Geldkoffer mit 400000 Euro zu kommen, soll dem Toten der Arm abgehackt werden. Der angebliche Komplize offenbart sich der Polizei, die ihn zur Übergabe eines Hackbeils und einer Pistole schickt. Dann klicken Handschellen.

War es wirklich so? Thomas Wüppesahl ist eine schillernde Figur in Hamburgs Polit-Szene. Als Sprecher der „Arbeitsgemeinschaft Kritischer Polizisten“ und Anti-AKW-Aktivist wurde der Kripo-Beamte mit den wirren Haaren bekannt. Mit Thesen gegen Missstände bei der Polizei, egozentrischen Aktionen und einem Wust von Vorwürfen gewann Wüppesahl nicht nur Freunde. Erst recht nicht in Hamburgs Polizei. Auch in den eigenen Reihen eckte Wüppesahl an: 1988 verließ er die Grünen, die ihn aus der Bundestagsfraktion ausschlossen. 2001 wurde er als Bundessprecher der „Kritischen Polizisten“ abgewählt. Er gilt als eher schwieriger, querköpfiger Mann, der sich nicht selten selbst im Weg steht. Aber wollte er zum Killer werden?

Es gebe „Zeugenaussagen, objektive Beweismittel und einen Haftbefehl, der bei Übergabe der Waffe vollstreckt wurde“, sagt Oberstaatsanwalt Rüdiger Bagger. „Das klingt alles nach einer ziemlichen Räuberpistole“, sagt Wüppesahls Anwalt Gerhard Strate: „Es wird mit Sicherheit zwei Versionen der Geschichte geben.“ Es sei „unglaublich“, dass der Informant der Polizei verdrahtet gewesen sei, sagt Strate, so ein Lauschangriff sei auch nach dem verschärften Hamburger Polizeigesetz nur zur unmittelbaren Gefahrenabwehr erlaubt, doch die Polizei habe schon länger ermittelt – und handeln können.

Nun wird munter spekuliert über den Mann mit dem Hackebeil. Wüppesahl habe oft im Casino gespielt und viel Geld verloren, sagen die einen. Der Komplize sei selber in Geldnot gewesen, vermuten andere. Ein „Spinner“ sei Wüppesahl gewesen, heißt es bei den Grünen, aber zum Fall äußert man sich lieber nicht. Die GAL-Abgeordnete Antje Möller monierte aber, die Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft sei „ungewöhnlich blutrünstig“ formuliert. Wüppesahl wurde im Sommer wegen einer anderen Geschichte zu sieben Monaten Haft verurteilt. Damals sah er sich als Mobbingopfer: Die Polizei versuche seit Jahren, „über die Staatsanwaltschaft eine Rechnung zu begleichen“.

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