Welt : "Killer-Queen": Jagdfieber

Hendrik Bebber

In Großbritannien geht der Streit um die Jagdfreuden des Hauses Windsor weiter. Am Sonntag hatten Tierschützer Königin Elizabeth II. massiv kritisiert, weil sie einem angeschossenen Fasan während einer Jagdpartie auf ihrem Landsitz Sandringham den Hals umgedreht hatte. Das von den Jagdgästen mit Schrot angeschossene Tier hatte sich die Queen zuvor von einem ihrer Labradors apportieren lassen.

Eine klare Antwort der Königin erhielten die Tierschützer am Sonntag, doch ohne königliche Worte: Beim Kirchenbesuch erschien Elizabeth II. mit einem Hut, an dem Fasanenfedern wippten. Ein Angestellter des Palastes erklärte dem "Daily Express" am Montag, dass dies durchaus als königliche Stellungnahme zu werten sei. "Die Queen würde sich niemals zu einer öffentlichen Debatte darüber herablassen, ob sie sich an einem Ereignis des Country-Sports beteiligen sollte oder nicht". Mit den Fasanen-Federn am Hut habe sie ihre Meinung aber doch deutlich genug gesagt.

"Ihre Majestät hat den Fasan nur von seinen Schmerzen erlöst", verlautete der Sprecher des Hofes. "Dies geschah auf die humanste Weise". Die Jagdverbände bestätigten, dass sich die Königin absolut "waidgerecht" verhalten hätte. Aber John Bryant von der Organisation zum Schutz wild lebender Tiere ist anderer Meinung: "Die königliche Familie steckt tief in der Unsitte, Tiere zum Vergnügen abzuschlachten. Der jüngste Vorfall ist wieder ein Beweis für die Brutalität und Kaltblütigkeit, speziell dafür gezüchtete Vögel zur Unterhaltung umzubringen".

Tatsächlich sind die "Royals" von der Jagdleidenschaft gepackt. Als einziges Mitlied schießt die Königin selber nicht, aber ist ständig Jagdherrin auf ihrem südenglischen Jagdschloss Sandringham, wo sich auch das jüngste Skandal abspielte. Besonders am zweiten Weihnachtstage knallen hier die Schrotflinten und Prinz Phillip soll an einem besonders guten Tag schon ein halbes Tausend Fasane vom Himmel geballert haben. Das hinderte ihn allerdings nicht an der Ehrenpräsidentschaft des Welttierschutzbundes. Die Vögel werden in Fasanerien aufgezogen und kurz vor der Jagd freigesetzt. In ihrem plumpen, langsamen Flug haben sie keine Chance. Prinz Charles schießt zwar auch, aber er bevorzugt die Fuchsjagd hoch zu Ross, bei der die Reiter die Hundemeuten auf Füchse hetzen. Obwohl sich der Thronfolger so gern als sensibler Naturfreund gibt, sieht er in seiner Jagdlust keinen Widerspruch. Zum Ärger der britischen Regierung, die ein Gesetz gegen die Hetzjagd vorbereitet, führte er letztes Jahr seine Söhne William und Harry in den "Blutsport" ein. Die jungen Prinzen ritten dabei in der Begleitung von Camilla Parker-Bowles. Für die Lebensgefährtin ihres Vaters ist die Fuchsjagd das liebste Freizeitvergnügen.

Prinzessin Diana jedoch verabscheute jede Art von Jagd. Sie war außer sich vor Empörung, als Prinz Charles den 14. Geburtstag Williams mit einer Hirschjagd auf dem schottischen Schloss Balmoral feierte. William durfte dabei den erlegten Zwölfender mit dem Messer aufbrechen, was sein damals zwölfjähriger Bruder Harry bewunderte. "Es ist einfach ekelhaft, dass ein Vater seinen jungen Sohn dazu ermuntert, ein Tier zu töten," entrüstet sich seinerzeit Les Ward, der Direktor einer schottischen Tierschutzgruppe. Und die "Liga gegen grausame Sportarten" fügt hinzu, dass der notwendige Abschuss von Hirschen durch professionelle Jäger erfolgen und nicht als "sportliche Zerstreuung für die königliche Familie" dienen sollte. "Es scheint, dass sie den Prinzen mit einer brutalen und abstoßenden Moral aufziehen", kritisierte der Sprecher der Organisation. William und Harry sollen gute Schützen sein. Wenn die jungen Prinzen in den Schulferien nicht bei ihrer Mutter waren, wurden sie von der Erzieherin Tiggy Legge-Bourke betreut. Sie machte William und Harry durch Zielübungen auf Kaninchen und Krähen für die Jagd fit.

Die "Feldsport"-Verbände sehen die königliche Familie als die mächtigsten Verbündeten im Kampf gegen das bevorstehende Gesetz, das nach ihrer Ansicht die "ländlichen Traditionen" vernichten will. Aber für Zweidrittel der Briten, die Hetzjagden und Massenabschuss von Fasanen verabscheuen, wird die sowieso schon stark angeschlagene Popularität der Monarchie durch solche "königlichen Vergnügen" nicht gestärkt.

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