Welt : Kinder sind selten kleine Egoisten

Nach einer Unicef-Studie sind ihnen soziale Kontakte, Vertrauen und Zuverlässigkeit besonders wichtig

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Berlin - Werte wie Freundschaft und Familie sind für Kinder in Deutschland wichtiger als Geld und gute Manieren. Das ist das Ergebnis einer Studie, die das Magazin „GEOlino“ und Unicef am Dienstag in Berlin vorstellten. Danach verfügt die Altersgruppe der Sechs- bis 14-Jährigen über einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und große Hilfsbereitschaft. Das Marktforschungsinstitut Synovate Kids+Teens hatte im Juni und Juli insgesamt rund 900 Kinder aus ganz Deutschland und zusätzlich die Mütter der Sechs- bis Zwölfjährigen befragt.

Ganz oben auf der Werteskala der Kinder steht die Freundschaft, die für 77 Prozent am wichtigsten ist. Für mehr als jedes zweite Kind (54 Prozent) ist Vertrauen besonders wichtig. 49 Prozent der Befragten schätzen vor allem Zuverlässigkeit und Treue. Am Ende rangieren Werte wie Glaube, den nur 18 Prozent für „total wichtig“ beziehungsweise 26 Prozent für „wichtig“ halten. Ordnung wurde von 14 Prozent der Befragten als „total wichtig“ eingestuft, 38 Prozent hielten die Tugend für „wichtig“. Signifikant: Anders als noch in den achtziger Jahren spielt nun auch die Leistungsbereitschaft bei den Kindern eine Rolle. Diese Ergebnisse decken sich mit den Beobachtungen der Shell Jugendstudie 2006, die vergangenen Monat ein ähnliches Werteverständnis für die Generation der bis 25-Jährigen konstatiert hatte.

Laut Unicef-Studie sind Eltern und Großeltern die wichtigsten Vermittlungsinstanzen und Vorbilder für Werte. Im Teenageralter gewinnen dann Freunde und die Zugehörigkeit zu sozialen Gruppen bei der Wahl von Vorbildern an Bedeutung. Prominente, Medien und Kirchen spielen hingegen nur eine untergeordnete Rolle. Am schlechtesten kommen Politiker weg: Sie sind bei der Vermittlung von Werten für die Kids praktisch bedeutungslos.

Die Umfrage widerlegt die verbreitete Meinung, dass Heranwachsende heute eher auf sich bezogen sind. Die meisten deutschen Kinder seien gerne bereit, sich für Menschen oder Werte einzusetzen. Am stärksten ist die Einsatzbereitschaft ausgeprägt, wenn es darum geht, Freunden zu helfen oder sich für Tiere, Vereine sowie ärmere oder hilfsbedürftige Menschen zu engagieren. Am geringsten ist das Interesse der Sechs- bis 14-Jährigen beim Umweltschutz.

Kinderrechte haben dagegen laut Umfrage für alle Befragten einen hohen Stellenwert. Am wichtigsten ist den Kindern das Recht, ohne Gewalt und in Frieden aufzuwachsen. Gerd Brüne, Verlagsleiter der GEO-Gruppe, erklärte anlässlich der Vorstellung der Studie, die Kinder von heute wollten „ernst genommen und nicht nur als Konsumenten betrachtet werden“. „Wer Kinder stärken will, muss ihre Familien stärken und ihnen gute Lern- und Bildungsmöglichkeiten verschaffen“, betonte Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs.AFP

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