Kinderpornografie : Spuren führen auch nach Berlin

Nach dem spektakulären Schlag gegen Internet-Kinderpornografie sind die Behörden auch 28 Verdächtigen aus der Region Berlin-Brandenburg auf der Spur. Allein in der Hauptstadt gibt es 17 Verdachtsfälle.

Magdeburg/Berlin/Potsdam - In Brandenburg seien es elf Verdächtige, teilte das Innenministerium von Sachsen-Anhalt mit. Die spektakuläre Aktion unter dem Namen "Mikado" war durch eine einmalige Zusammenarbeit der Ermittler mit 14 Banken gelungen. Die Banken stellten dabei Daten von Kreditkartenkunden zur Verfügung, die im Sommer 2006 eine bestimmte Summe auf ein verdächtiges Konto eingezahlt hatten.

Mit Hilfe einer bislang beispiellosen Auswertung von Millionen Kreditkarten-Transaktionen ermittelten die Fahnder 322 Pädophile aus allen Bundesländern. Die Tatverdächtigen sollen von einer illegalen Internetseite tausende Bilder und Videosequenzen heruntergeladen haben. Arbeiter, Angestellte, Lehrer: Zumeist Biedermänner im richtigen Leben, tauchten die Verdächtigen per Computer in eine bizarre virtuelle Realität ab, um sich am Leid gequälter Kinder aus Asien, Osteuropa oder Lateinamerika sexuell zu ergötzen, teilten die Fahnder mit.

Kreditkarten brachten Fahndungserfolg

"Zum Verhängnis wurde den Verdächtigen ihre Kreditkarte", sagte Oberstaatsanwalt Peter Vogt, der die Öffentlichkeit über die bis dato verdeckte Operation "Mikado" unterrichte. Auf Bitten der Ermittler überprüften 14 Banken und Kreditkartenserviceunternehmen im Sommer 2006 die Zahlungsvorgänge ihrer knapp 20 Millionen Mastercard- und Visa-Kunden nach speziellen Vorgaben und lieferten die Ergebnisse an die Polizei. Insgesamt sind in Deutschland etwa 22 Millionen Kreditkarten im Umlauf.

Schon nach rund drei Wochen waren der Polizei die 322 Verdächtigen bekannt, die - das hatten die Ermittler zuvor herausgefunden - für ein 20-Tage-Abo 79,99 Dollar (rund 61,50 Euro) an ein Konto des noch unbekannten Betreibers des Internetportals mit Kinderpornografie zahlten. "Er sitzt wahrscheinlich im Ausland. Die Spur endet auf den Philippinen", sagte LKA-Direktor Frank Hüttemann. "Wir bleiben da weiter dran."

Hunderte Privatcomputer beschlagnahmt

Bei Hausdurchsuchungen in allen Bundesländern beschlagnahmten die Ermittler in den vergangenen Monaten hunderte private Computer und kistenweise Datenträger mit Fotos und Videos. "Ein Großteil der Tatverdächtigen war sofort geständig", sagte Sachsen-Anhalts Innenminister Holger Hövelmann (SPD). Unter den Tatverdächtigen sei ein hoher Anteil an ledigen und allein stehenden Männern. Festnahmen gab es bislang nicht. Bis zu den ersten Anklageerhebungen brauche es noch etwas Zeit, ergänzte Vogt.

Als "vielversprechend" bewerten Polizei und Staatsanwaltschaft die neuartige Kooperation mit der Kreditwirtschaft. "Ich wünsche mir, dass auch andere Strafverfolgungsbehörden so verfahren, die Unternehmen waren sehr willig, uns zu helfen", sagte Vogt. Und Generalstaatsanwalt Jürgen Konrad betonte, dass auch in Sachen Datenschutz alles in Ordnung sei. "Es handelt sich nicht um eine Rasterfahndung, es ging nicht um die Erstellung eines bestimmten Täterprofils." Vielmehr sei dies eine "normale Ermittlungsmethode" - die freilich bislang noch nicht in dieser Form praktiziert wurde.

Neben der Bestrafung der ermittelten Täter setzen die Ermittler mit ihrer spektakulären Aktion "Mikado" auch auf Abschreckung. "Es ist schockierend und unvorstellbar, was Kindern angetan wird, um derartige Bilder zu erzeugen", sagte Sachsen-Anhalts Justizministerin Angela Kolb (SPD). "Wir wollen zeigen, dass die Nutzung solchen Bildmaterials kein Kavaliersdelikt ist und jeder Täter Spuren hinterlässt, so dass man ihn findet." Den Pädophilen drohten - je nach Schwere ihrer Taten - Geld oder Haftstrafen bis zu fünf Jahren. Auch Kolbs Ministerkollege Hövelmann sieht in der Aktion ein Signal: "Die Täter und die potenziellen Täter sollen wissen: Wir kriegen sie." (tso/dpa)

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