Kindesmissbrauch in Jersey : Ermittler machen grausige Entdeckungen

Badewannen zur Wasserfolter und Handschellen: Nach dem Fund der Kinderleiche am Samstag gehen die Ermittlungen in Jersey auf Hochtouren voran. Mehr als 160 Opfer haben bislang ausgesagt, von der Polizei heißt es: "Es wird Festnahmen geben."

Jersey
Ort des Schreckens. - Das Kinderheim in Jersey. -Foto: AFP

Saint MartinNach dem Fund eines Kinderskeletts und verdächtiger Spuren im Keller eines ehemaligen Kinderheims auf der Kanalinsel Jersey befürchtet die Polizei weitere grausige Entdeckungen. Die Ermittler versuchten sich am Donnerstag Zutritt zu einem zugemauerten Kellerverlies zu verschaffen. Sie rechneten mit weiteren Leichenfunden, nachdem Spürhunde in einem Raum angeschlagen hatten. In der großangelegten Ermittlung zu Kindesmissbrauch in dem ehemaligen Kinderheim Haut de la Garenne sagten bislang mehr als 160 Opfer aus, die Fälle reichen teils bis zu 40 Jahre zurück. Jerseys Vize-Polizeichef Lenny Harper erklärte, einige der Funde in den geheimen Kellerräumen bestätigten die Aussagen.
  
Die Polizei hatte sich vor zwei Tagen Zutritt zu einem etwa 14 Quadratmeter großen Keller verschafft, der auf den Plänen des Heims nicht verzeichnet war. Dort entdeckten sie einen Zugang zu einem zugemauerten, fensterlosen Raum. In dem ersten Raum habe ein Leichen-Spürhund "in der Nähe eines in den Boden eingelassenen Objekts" stark angeschlagen, sagte Harper am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Nach Angaben des britischen Boulevardblatts "Daily Mirror" vom Donnerstag handelte es sich dabei um eine Badewanne, die Vermutungen zufolge für Wasserfolter verwandt wurde.
 
Die Durchsuchung des mit Schutt und Unrat verwüsteten Kellerraums sollte laut Polizei noch Tage dauern. Die Polizei suchte zudem weiter nach Handschellen, die Handwerker nach eigenen Angaben bei der Renovierung des Hauses im Jahr 2003 gefunden hatten. Laut "Daily Mirror" fanden die Bauarbeiter seinerzeit auch fünf große Stöcke.

70 Anrufe seit dem Leichenfund
  
Die Entdeckungen in den geheimen Kellerräumen bestätigen laut Polizei die Aussagen mutmaßlicher Missbrauchsopfer. Mehr als 160 ehemalige Bewohner des Heims sagten aus, sie seien eingesperrt, unter Drogen gesetzt und systematisch missbraucht worden. Polizeichef Graham Power sagte dem "Daily Mirror": "Manche berichteten, dass sie an einem dunklen Ort missbraucht und festgehalten wurden." Allein seit dem Leichenfund am Wochenende gingen mehr als 70 Anrufe bei der Polizei ein, sogar aus Australien und Thailand. Die Polizei untersucht laut Power zudem eine Liste von Kindern, die auf unerklärliche Weise verschwanden.  

Die Polizei hatte im November 2007 Ermittlungen wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauch in dem Heim aufgenommen. Am Samstag gruben die Ermittler unter einem Betonboden das Skelett eines Kindes aus. Die Leiche wird derzeit in London untersucht.
  
Laut Vize-Polizeichef Harper vernahm die Polizei im Zusammenhang mit dem Fall 40 Verdächtige, darunter ehemalige Pflegekräfte und Polizeibeamte. "Es wird Festnahmen geben", betonte er. Powell deutete eine mögliche systematische Vertuschung der Missbräuche an: Viele Opfer hätten erklärt, ihr verzweifeltes Ersuchen um Hilfe sei "ignoriert" worden. Einige der Verdächtigen verfügten über Verbindungen zu "etablierten Kreisen" Jerseys. In dem 60-Betten-Heim lebten von den frühen 50er Jahren bis zur Schließung 1986 schätzungsweise mehr als 1000 Kinder. 2003 wurde das Haus zu einer Jugendherberge umgebaut.
  
Jersey liegt etwa 160 Kilometer südlich von Großbritannien vor der französischen Küste im Ärmelkanal. Die Insel ist ein beliebtes Urlaubsziel. (mpr/AFP)

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