Kindesmissbrauch : Vorbestrafter Priester vergeht sich erneut an Messdiener

Trotz einschlägiger Vorstrafe setzte die Kirche ihn im Landkreis Regensburg wieder als Gemeindeseelsorger ein. Jetzt hat die Polizei den 39-Jährigen Priester wegen erneutem Missbrauchsverdacht festgenommen.

NürnbergEin wegen Kindesmissbrauchs vorbestrafter katholischer Pfarrer aus dem Landkreis Regensburg soll sich erneut an einem Kind vergangen haben. Gegen den 39-Jährigen sei wegen Fluchtgefahr Haftbefehl erlassen worden, teilte die Nürnberger Justizpressestelle mit. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, sich mehrere Jahre lang an einem Ministranten sexuell vergangen zu haben.

Erst im Juli war bekannt geworden, dass das Bistum Regensburg den Mann trotz seiner einschlägigen Vorstrafe wieder in der Seelsorge einsetzte. Bereits vor acht Jahren hatte er als Kaplan im niederbayerischen Viechtach mindestens einen Jungen missbraucht. Im Jahr 2000 wurde der Mann deshalb per Strafbefehl zu einem Jahr Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Hinweise aus der Bevölkerung führten zur Festnahme

Die Ermittler werfen dem Pfarrer nun vor, sich zwischen 2003 und 2006 immer wieder an seinem neuen Dienstsitz an einem Jungen vergangen zu haben. Seit drei Jahren ist der Priester dort offiziell Ortspfarrer, vorher wurde er dort bereits als Vertreter eingesetzt. Für die neuen Fälle habe es Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, sagte Justizsprecher Andreas Quentin. "Durch intensive Nachforschungen konnte der bestehende Anfangsverdacht konkretisiert und erhärtet werden."

Nachdem der 39-Jährige seinen Dienstort verlassen hatte, schlossen die Ermittler nicht aus, dass sich der Priester absetzen wollte. Die Staatsanwaltschaft beantragte deshalb einen Haftbefehl. Am Donnerstag wurde der Geistliche schließlich festgenommen.

Die Messdiener des Ortes setzen sich für den Priester ein

Vor wenigen Wochen war das Bistum Regensburg in die Kritik geraten, weil die Diözese den Priester erneut in einer Gemeinde einsetzte. Auch die Gemeindemitglieder wussten bis dahin nichts von der Vorstrafe ihres Pfarrers. In der Folge setzten sich einige von ihnen mit einer Unterschriftenliste für den Mann ein. Das Bistum Regensburg hatte damals erklärt, dass der Sexualstraftäter nach einer Psychotherapie geheilt sei. Dies habe auch ein psychiatrisches Gutachten ergeben. (mit dpa)