Kindstod : Großvater von Lea-Sophie erhebt neue Vorwürfe gegen das Jugendamt

Der Opa der qualvoll verhungerten kleinen Lea-Sophie aus Schwerin hat vor dem Schweriner Landgericht ausgesagt. Die Behörden haben im Fall des Todes seiner Enkelin versagt, davon ist er überzeugt.

SchwerinIm Prozess gegen die Eltern der verhungerten Lea-Sophie hat der Großvater des kleinen Mädchens das Schweriner Jugendamt erneut kritisiert. Er habe die Behörde immer wieder gebeten, dass sich Fachleute das Kind ansehen sollen, sagte er.

Stattdessen sei er nach seiner Einschätzung gefragt worden, ob eine Kindeswohlgefährdung vorliege. Er habe aber nicht beurteilen können, was das sei, fügte der Zeuge hinzu. Auch habe man ihm deutlich gemacht, dass man mit "brachialer Gewalt in die Familie" gehe, wenn er das Kindeswohl gefährdet sehe. Diese Ankündigung habe ihn abgeschreckt, sagte der Mann. Dreimal hatte sich der Großvater von Lea-Sophie mit der Bitte um Hilfe für das Kind an die Behörde gewandt. Er hatte bereits in der Vergangenheit dem Jugendamt Versäumnisse vorgeworfen.

Während seiner Befragung beschrieb der Vater der 24 Jahre alten angeklagten Mutter seine Enkelin unter anderem als nicht altersgerecht entwickelt. Das Mädchen habe große Probleme beim Sprechen gehabt.

Großvater spricht von glücklicher Kindheit von Lea-Sophies Mutter

Zum Auftakt des dritten Verhandlungstages hatte der Großvater das Familienleben mit seiner Tochter geschildert. Sie habe eine vernünftige und glückliche Kindheit gehabt, sagte er. Man sei zusammen eine "glückliche Familie" gewesen. Die Angeklagte sei ein "schüchternes" und "zurückhaltendes" Kind gewesen, das besonders behütet aufgewachsen sei.

Im Anschluss an die Befragung des Großvaters sollte auch die Mutter von Lea-Sophies Vater vernommen werden. Zudem waren mehrere Nachbarn aus den letzten beiden Wohnorten der Angeklagten geladen.

Seit Mitte April müssen sich die Mutter und der 26 Jahre alte Vater von Lea-Sophie für den Hungertod ihrer Tochter vor Gericht verantworten. Die Staatsanwaltschaft legt beiden gemeinschaftlichen Mord durch Unterlassen sowie Misshandlung von Schutzbefohlenen zur Last.

Lea-Sophie war am 20. November 2007 in einer Schweriner Klinik gestorben. Zum Zeitpunkt des Todes wog das Mädchen noch knapp 7,4 Kilogramm. (ut/ddp/dpa)

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