Kindstötung : Pflegemutter muss 13 Jahre ins Gefängnis

Das Landgericht Trier hat eine 32-Jährige wegen Totschlags zu 13 Jahren Haft verurteilt. Die Pflegemutter hatte ein zweijähriges Mädchen zu Tode gequält.

Trier - Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die Angeklagte das Kleinkind über Monate in ihrer Wohnung in Lissendorf (Rheinland-Pfalz) misshandelt hat, bis es vor gut einem Jahr starb. Dabei habe sie bewusst und zielgerichtet gehandelt, sagte die Vorsitzende Richterin Petra Schmitz.

Die kleine Salomé war von ihrer leiblichen Mutter Anfang 2005 in Kamerun in die Obhut der 32-jährigen Kamerunerin gegeben worden. Die Angeklagte hatte das Kind bei der Einreise mit gefälschten Papieren als ihr eigenes ausgegeben, um später dem Baby und der leiblichen Mutter eine Aufenthaltsgenehmigung in Deutschland zu verschaffen.

Mit dem Urteil blieb das Gericht hinter der Forderung der Staatsanwaltschaft zurück, die eine lebenslange Haft wegen Mordes gefordert hatte. Die Kammer begründete die Verurteilung wegen Totschlags damit, dass das Mordmerkmal der Grausamkeit nicht sicher nachzuweisen sei. "Wir können die zeitliche Reihenfolge der Misshandlungen nicht mehr klären", sagte Schmitz. Salomé war nach einem Schlag gegen einen Pfeiler bewusstlos geworden und dann in eine mit Wasser gefüllte Badewanne gelegt worden, wo sie ausblutete und starb. Es sei möglich, dass dem Kind Verletzungen erst im bewusstlosen Zustand zugefügt worden seien.

Sadistische Grundhaltung

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft hat die 32-Jährige die Verletzungen dem Kind aus einer sadistischen Grundhaltung heraus beigebracht, um es zu quälen. "Sie erinnern an Folter und zeugen von einer extremen Kaltblütigkeit", sagte der Staatsanwalt. Der Körper des Kindes wies Spuren schwerster körperlicher Gewalt auf. Sein Körper war mit Bissen, Blutergüssen und Stichverletzungen übersät, die dem Mädchen mit Scheren zugefügt worden waren. Zudem hatte das Kind einen Schädelbruch und einen Armbruch erlitten. Die Verteidigung hatte auf Freispruch plädiert und kündigte Revision an. Auch die Staatsanwaltschaft wolle dies prüfen, hieß es.

Die angeklagte Diplomatentochter hatte im Prozess zu den Vorwürfen geschwiegen. "Das Motiv bleibt daher ungeklärt", sagte Schmitz. Bei einer ersten Vernehmung hatte die 32-Jährige erklärt, dass Kind sei unglücklich von der Treppe gestürzt. Die Verletzungen stimmten aber nicht mit dieser Aussage überein, sagte die Richterin. Die leibliche Mutter hatte der 32-Jährigen, mit der sie seit ihrer Jugend gut befreundet war, das Kind anvertraut, weil Salomé es in Deutschland besser als in Kamerun haben sollte. "Schlechter als hier hätte sie es aber nie haben können", sagte Schmitz. Die leibliche Mutter wusste nichts von den Misshandlungen. Sie hatte eigentlich nach Deutschland nachreisen wollen. Die Visumanträge wurden allerdings abgelehnt. (tso/dpa)

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