Kirche : Konfirmation stößt Jugendliche ab

Im Gottesdienst sitzen sie oft uninteressiert in den hinteren Reihen oder tauschen tuschelnd Einladungen zur nächsten Party aus: Für die meisten der etwa 250.000 Jugendlichen, die sich pro Jahr in Deutschland konfirmieren lassen, ist der Besuch des Sonntagsgottesdienstes Pflicht.

Benjamin Lassiwe

BerlinOft müssen sie sich die Teilnahme sogar vom Pfarrer per Unterschrift bestätigen lassen. Doch einer gestern von der Evangelischen Kirche Deutschlands (EKD), der Universität Tübingen und dem Comenius-Institut für Evangelische Bildungsarbeit vorgestellten Studie zufolge schießt die Kirche damit an ihrem Ziel vorbei.

Denn während der meist etwa 15 Monate dauernden Konfirmandenzeit wächst die Zahl der Jugendlichen, die Gottesdienste als langweilig empfinden, von 49 auf 54 Prozent an. Dabei sollte der Konfirmandenunterricht eigentlich das Gegenteil erreichen. „In vielen Kirchengemeinden sind 13- bis 14-Jährige der am stärksten vertretene Jahrgang im Gottesdienst“, sagt der EKD-Ratsvorsitzende, Bischof Wolfgang Huber. „Trotzdem werden sie im Sonntagsgottesdienst nur selten als wichtige Zielgruppe wahrgenommen“.

Auch andere Dinge könnten der Studie zufolge besser funktionieren: Denn während des Konfirmandenunterrichts wächst auch die Zahl der Jugendlichen, die feststellen, dass die Kirche „auf die Fragen, die mich wirklich bewegen“, keine Antwort hat. Dazu kommen äußere Probleme, wie etwa die Einführung der Ganztagsschule, die der Kirche weniger Zeit für ihre Angebote lässt.

Insgesamt stellt die Studie dem Konfirmandenunterricht ein gutes Zeugnis aus: Denn 60 Prozent der befragten Jugendlichen freuen sich am Ende ihrer Konfirmandenzeit nicht nur über Geldgeschenke. Sie empfinden auch, dass ihnen die Konfirmandenzeit „wichtige Grundlagen zum Nachdenken über den eigenen Glauben“ gegeben habe. Und manchmal wird sogar mehr daraus: „Bei mir war es ein Vikar im Konfirmandenunterricht, der mich als Erster dazu brachte, über ein Theologiestudium nachzudenken“, sagte Wolfgang Huber. „Ich bin also ein typischer Fall dafür, dass der Konfirmandenunterricht manchmal zur Kaderschmiede wird.“

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