Kirche : Vatikan feiert den Frauentag mit Kritik

Der Vatikan hat den Internationalen Frauentag am Sonntag zu einem Rundumschlag gegen die aktuelle feministische Theorie genutzt. Ebenso wird die ablehnende Haltung zu Verhütungsmitteln noch einmal betont.

Andrea Dernbach

Rom - Der Vatikan hat den Internationalen Frauentag am Sonntag zu einem Rundumschlag gegen die aktuelle feministische Theorie genutzt. In einem Namensartikel im offiziellen Vatikan-Organ „Osservatore romano“ rechnet Lucetta Scaraffia, die als Professorin für Zeitgeschichte an der römischen Universität La Sapienza lehrt, mit der Gender-Theorie ab, die Geschlechtsunterschiede im Wesentlichen als soziale Konstruktionen betrachtet, nicht als unveränderliche biologische Tatsachen. Für die katholische Kirche sei der Unterschied zwischen Männern und Frauen ein „Geschenk Gottes an die Menschheit“, sie verteidige die Idee der „Gleichheit im Unterschied“, schreibt Scaraffia, die sich auch mit Biopolitik beschäftigt und dem Papst angeblich sehr nahesteht.

In ihrem Artikel heißt es weiter: „Einem bisher für nicht vorstellbar gehaltenen künstlichen Eingriff in die Fortpflanzung entspricht die Abkehr von einem Konzept, das die Menschheit als nach Geschlechtern geschieden ansieht. Wo die Empfängnis das Werk von Wissenschaftlern im Labor wird, scheint der Unterschied zwischen Mann und Frau seine Bedeutung zu verlieren.“ Ein weiterer Artikel zum Frauentag verteidigt noch einmal die ablehnende Haltung der Amtskirche zu Verhütungsmitteln. Die Emanzipation der Frau sei durch die Geschirrspülmaschine weitergebracht worden als durch die Anti-Baby-Pille, heißt es darin.

Für die italienische Soziologin Chiara Saraceno sind die Texte im „Osservatore romano“ Dokumente der Angst vor einer Auflösung des vermeintlich Unbewglichen, Ewigen und streng Geschiedenen, sagte sie der Zeitung „La Repubblica“. Auch die feministische Historikerin Lidia Menapace sieht darin den Ausweis eines tiefen Unbehagens im Vatikan: „Man sieht die Frauen sich befreien und fürchtet, das Patriarchat sei in Gefahr und die Geschlechterpolitik könne am Ende auch die einzigartige Autorität des einen Gottes infrage stellen.“ Bewundernswert sei allerdings das politische Geschick des Vatikans. Am Frauentag schicke er keinen Kardinal vor, sondern eine brillante Profesorin. Andrea Dernbach

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