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Kirchweyhe : 1500 Menschen bei Trauerfeier für Daniel S.

Nach dem gewaltsamen Tod eines 25-Jährigen haben die Menschen in Kirchweyhe ein Zeichen der Trauer und gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt. Mit Mahnwachen erinnerten sie an den jungen Mann und wehrten sich gegen eine politische Instrumentalisierung des Verbrechens.

Blumen und Abschiedsbriefe am Tatort in Kirchweyhe
Blumen und Abschiedsbriefe am Tatort in KirchweyheFoto: dpa

Bei Trauerkundgebungen haben mehr als 2000 Menschen im niedersächsischen Kirchweyhe eines zu Tode geprügelten Streitschlichters gedacht. Gleichzeitig setzten sie in der Gemeinde bei Bremen am Wochenende ein Zeichen gegen den Versuch der rechten Szene, das Verbrechen ausländerfeindlich zu instrumentalisieren.

Das 25 Jahre alte Opfer hatte am vergangenen Wochenende versucht, einen Streit zu schlichten und war daraufhin angegriffen worden. Am Donnerstag starb er an seinen Verletzungen. Ein 20 Jahre alter Mann mit türkischem Migrationshintergrund sitzt seither wegen Mordverdachts in Untersuchungshaft.

„Die Tat offenbart eine Brutalität, die unerträglich ist“, sagte Bürgermeister Frank Lemmermann (SPD) bei der ersten Mahnwache am Samstagvormittag. Am Tatort am Bahnhof der Gemeinde mit rund 30 000 Einwohnern hatten sich rund 1500 Menschen versammelt. Ein großes Polizeiaufgebot schützte die Veranstaltung, weil eine rechte Gruppierungen zuvor vergeblich versucht hatte, eine Versammlung für den Nachmittag in dem Ort im Landkreis Diepholz anzumelden.

Trotz der strengen Polizeikontrollen mischten sich nachmittags einige Rechtsextreme unter die rund 700 Männer und Frauen, die erneut zum Tatort gekommen waren. Etliche Anreisende aus der Szene wurden bereits an Kontrollstellen im Ort abgewiesen. Die Polizei sprach 89 Platzverweise aus, zwei Menschen wurden in Gewahrsam genommen. Eine Polizistin erlitt beim Einsatz von Pfefferspray leichte Verletzungen. In der gut 30 Kilometer entfernten Stadt Verden veranstalteten etwa 60 Rechte am späten Nachmittag einen spontanen Umzug, mit dem sie gegen das Verbot in Kirchweyhe demonstrieren wollten, wie die Polizei berichtete. Dabei wurden zwei gewalttätige Teilnehmer vorübergehend festgenommen.

Für Sonntag hatte die NPD eine Kundgebung in Kirchweyhe angemeldet, die von der Gemeinde ebenfalls verboten wurde. Lemmermann hatte die Einwohner aufgerufen, sich am Sonntag erneut am Tatort zu versammeln. Am Mittag füllte sich der Bahnhofsplatz wieder mit rund 300 Frauen und Männern. Diesmal blieben Rechtsradikale fern.

„Unser Mitgefühl gilt der Familie von Daniel, seinen Freunden und allen die ihn liebhatten“, sagte Lemmermann am Samstag, bevor er Blumen an der Bushaltestelle ablegte, an der der 25-Jährige angegriffen worden war. Er rief die Menschen auf, nicht gleich wieder zur Tagesordnung überzugehen. „Wir sind hier, weil wir nicht akzeptieren wollen, dass Menschen so brutal miteinander umgehen.“ Der 25-Jährige sei ein Zufallsopfer, sagte Bernd Kittelmann, Leiter der Polizeidirektion Diepholz. Nach einem Streit in einem Bus auf der Rückfahrt von einer Diskothek, den der 25-Jährige schlichten wollte, sei der 20-Jährige als erster ausgestiegen. Dessen Gewaltausbruch habe sich gegen den unmittelbar folgenden Fahrgast gerichtet - und das sei der 25-Jährige gewesen. Der mutmaßliche Täter war bereits früher mit Gewalttaten aufgefallen.

Pastor Holger Tietz betonte, das Verbrechen habe nichts mit der Herkunft von Opfer und Täter zu tun. „Es ist abscheulich, wie man das Opfer verunglimpft in übelster Art und Weise.“ Tietz reagierte damit auf Veröffentlichungen in sozialen Netzwerken. Dort gab es ausländerfeindliche Hetze ebenso wie die Unterstellung, das Opfer habe einen Bezug zur rechten Szene. Die Staatsanwaltschaft hatte das bereits zurückgewiesen.
Der Bürgermeister sagte der Familie des Opfers, einer alleinerziehenden Mutter sowie Geschwistern, die Hilfe der Gemeinde zu. Spenden sollen über die Gemeinde weitergeleitet werden. (dpa)

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