Klausjürgen Wussow : Chefarzt der Herzen

Doch Klausjürgen Wussow war mehr als Professor Brinkmann – zum Tode des Schauspielers

Joachim Huber
Wussow
Klausjürgen Wussow in seiner Paraderolle als Professor Brinkmann. -Foto: dpa

In der öffentlichen Wahrnehmung hatte Klausjürgen Wussow drei Leben. Burgtheater-Schauspieler, Professor Brinkmann in der „Schwarzwaldklinik“, der Boulevard-Wussow im Scheidungskrieg.

Der Lehrersohn, geboren am 29. April 1929 in Cammin/Pommern, wollte Mediziner werden und wurde Schauspieler. Er hatte bereits 14 Rollen vom Sprechtheater bis zur Operette absolviert, als er sich 1948 am Berliner Hebbel-Theater einer gründlichen Ausbildung unterzog. Wussow machte Eindruck, machte eine steile Karriere, über die Stationen Frankfurt/Main, Düsseldorf, Köln, Zürich und München kam er nach Wien, ans Burgtheater. Seit 1964 gehörte er dessen Ensemble an. Eine Glanzrolle als klassischer Held fügte sich an die nächste. Er war Don Carlos und Marquis Posa, Faust, Mephisto, Karl Moor, Macbeth. Der Horatio im „Hamlet“ 1984 war der Schlusspunkt.

Dem Fernsehen und seinen leichtgewichtigeren Herausforderungen war Wussow nicht abgeneigt. Sein wagemutiger „Kurier der Kaiserin“ wird heute noch im ZDF wiederholt, und doch war Wussow um sein Image als Klassiker-Darsteller derart besorgt, dass er aus der Serie „Sergeant Berry“ frühzeitig ausstieg.

Paraderolle Professor Brinkmann

Die Bedenken von 1973 hatte Klausjürgen Wussow 1985 nicht mehr, als das ZDF, der Erfolgsproduzent Wolfgang Rademann mit der „Schwarzwaldklinik“ lockten. Wussow spielte, nein, er war der Professor Brinkmann in der pittoresken Glottertal-Klinik. Die ZDF-Serie, beim Publikum ungeheuer erfolgreich, prägte über 70 Folgen das Arzt-Wunschbild aller Patienten, ob Kasse oder privat. Brinkmann hatte immer Zeit, immer Verständnis, er blickte durch alle Wunden in die Seele hinein, schon mit seinem sonoren Timbre heilte er Menschen, flößte ihnen Lebenswillen ein. Professor Brinkmann war ein Gutmensch, noch ehe dieses Etikett die heute negative Einfärbung bekam. Eine Rückkehr an die „Burg“ war damit versperrt. Der damalige Intendant Claus Peymann befand, dieser Schauspieler sei „für die Bühne verloren“. Für Wussow gab es kein Entkommen vom Doktor der Herzen mehr. Er erfuhr, wie vielleicht Erik Ode als „Kommissar“ oder Horst Tappert als Oberinspektor „Derrick“, die Grausamkeit des Fernsehens – einmal Arzt, immer Chefarzt. Nach der „Schwarzwaldklinik“ war Wussow mal als Professor Higgins mit „Pygmalion“ auf Tournee und erneut der Fernsehheld im Weißkittel. Seine Popularität münzte er in einen Millionenzufluss für seine Stiftung zugunsten krebskranker Kinder um.

Gesundheitlich schon angeschlagen, führte Wussow, orchestriert von „Bild“ und „Bunte“, einen schrillen Scheidungskrieg mit Yvonne Wussow. Zuletzt war er in vierter Ehe mit der Boxerwitwe Sabine Scholz verheiratet. Seinen Tod am Dienstag machte wiederum seine erste Ehefrau Jolande Wussow öffentlich. Und die wusste es wieder von ihrer Tochter. „Im Grunde ist es eine Erlösung für ihn“, wurde Jolande Wussow zitiert. Klausjürgen Wussow wurde 78 Jahre alt.

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