Welt : Kleiner Rat, große Wirkung

Die WHO wirbt fürs Händewaschen

Dagmar Dehmer

Berlin - Ein Krankenhausaufenthalt kann mitunter ziemlich ungesund sein. Nach Informationen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sind zu jedem beliebigen Zeitpunkt rund 1,4 Millionen Menschen weltweit deshalb krank, weil sie sich in einem Krankenhaus eine Infektion geholt haben. In Industriestaaten sind zwischen fünf und zehn Prozent der Patienten davon betroffen, in Entwicklungsländern können es bis zu einem Viertel der Patienten sein. Seit Oktober 2005 versucht die WHO das Thema mit einer Kampagne bekannter zu machen. Mit Erfolg. Am Freitag ist neben 12 weiteren Staaten auch Deutschland Teil der WHO-Kampagne „Saubere Pflege ist die sicherere Pflege“ geworden.

Der wichtigste Beitrag zur Vermeidung solcher hartnäckiger Infektionen ist ein ganz banaler: Ärzte und Krankenschwestern müssen sich, bevor sie einen Patienten sehen, die Hände waschen. Das ist die effizienteste Methode, Infektionen zu verhindern. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil Krankenhauskeime häufig gegen Antibiotika resistent sind, das heißt, die gängigen Medikamente wirken gar nicht mehr dagegen. In der Schweiz hat eine Kampagne in den Krankenhäusern dazu geführt, dass Ärzte und Schwestern um ein Viertel häufiger ihre Hände waschen.

Doch warum passiert das nicht ohnehin? Gerade Ärzte und Schwestern müssten doch wissen, dass sie Keime weiterverbreiten, wenn sie Patienten anfassen müssen. Agnes Leotsakos, die bei der WHO für die Patientenkampagne zuständig ist, sagt: „Natürlich wissen die Ärzte und Schwestern über das Infektionsrisiko Bescheid.“ Trotzdem hätten viele Studien gezeigt, dass sie eben keine sauberen Hände haben. Denn im Krankenhausalltag sei es tatsächlich nicht einfach, nach der Behandlung eines jeden Patienten wieder die Hände zu waschen. „Ein Arzt auf einer Visite müsste in einer Stunde 30 oder 40 Mal die Hände waschen“, rechnet Leotsakos vor. „Krankenhäuser sind sehr hektische Orte“, fügt sie hinzu. In Entwicklungsländern kann noch hinzukommen, dass es gar nicht genügend Waschbecken und womöglich nicht einmal fließend Wasser gibt.

Deshalb hat die WHO ein alkoholgetränktes Feuchttuch entwickelt, das in Krankenhäusern der Teilnehmerländer an der Patientenkampagne inzwischen auch eingesetzt wird. Die WHO rät dem Klinikpersonal, die Hände mit Wasser und Seife zu waschen, wenn sie sichtbar schmutzig sind. Dazwischen sollten sie sich zumindest die Hände mit den Feuchttüchern abwischen, bevor sie den nächsten Patienten anfassen.

Den Rat öfter mal die Hände zu waschen, und mit den Händen, die gerade noch Fleisch geschnitten haben, die Kinder besser nicht anzufassen, gibt die WHO-Expertin jedem Bürger. Denn auch außerhalb des Krankenhauses sind schmutzige Hände die gängigste Quelle für Infektionen – seien das profane Erkältungen oder auch eine ausgewachsene Grippe.

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