Welt : Kleopatra: Klein und dick?

Hendrik Bebber

Ihrem Sexappeal verfielen die römischen Feldherren Julius Caesar und Marcus Antonius, und seitdem gilt die ägyptische Königin Kleopatra als Inbegriff einer reizvollen Frau, die mit ihrer persönliche Anziehungskraft Weltgeschichte machte. In einer großen Ausstellung will das "Britische Museum" ab 12. April Historie und Mythos trennen. Doch bei der entscheidenden Frage, wie schön Kleopatra wirklich war, ist man wohl weiter auf Spekulationen und Fantasien angewiesen. "Je mehr wir die überlieferten Abbildungen von Kleopatra betrachten", kommt Susan Walker als Kuratorin der Ausstellung zu dem Schluss, "desto unsicherer werden wir, wie sie wirklich aussah".

Münzen, die in ihrer Zeit geprägt wurden, lassen einen heutigen Betrachter rätseln, warum ihr die mächtigsten Männer der Antike so hoffnungslos verfielen. Sie zeigen ein hageres, strenges Porträt mit einer großen Hakennase. Eine schwarze ägyptische Basaltstatue gibt ihr hingegen die Figur eines Laufstegmodells, während ihr Gesicht mit einer Stupsnase jedoch leicht aufgeschwemmt wirkt. Die Beschreibungen ihrer Schönheit sind, historisch gesehen, ebenfalls mit Vorsicht zu genießen. Plutarch, der sich bei der Schilderung ihrer Schönheit und ihres Charmes geradezu überschlägt, wurde erst 75 Jahre nach Kleopatras Tod geboren. Cicero aber, der ihr persönlich begegnete, verliert kein Wort über ihr Aussehen, sondern tadelt nur ihr arrogantes Auftreten.

So werden mit dem modischen Hang zum Legenden-Killen im Vorfeld der Ausstellung allerhand Spekulationen angestellt, dass womöglich die Liebe Julius Cäsar und Mark Anton blind machte. Die Paläopathologin Rosalie David, Kuratorin der ägyptischen Abteilung des Museums von Manchester, schließt aus Vergleichen, dass Kleopatra nicht größer als 1,60 Meter war. Zudem bestimmte große Leibesfülle das klassische ägyptische Schönheitsideal, und jede attraktive Frau legte damals auf "Venusringe" um Hüfte und Hals Wert. Daraus wird in den Vorbesprechungen der Zeitungen geschlossen, dass Kleopatra durchaus klein und fett gewesen sein könnte. Wie sie auch ausgesehen haben mag, durch ihr Äußeres lassen sich die leidenschaftliche Dämonie ihres Lebens und ihrer Beziehungen nicht erklären. Man muss wohl die Ausstellung abwarten - in der Hoffnung, hier eine neue Deutung einer der faszinierendsten Frauen der Weltgeschichte zu finden.

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