Klimaschutz : Andengipfel werden weiß gestrichen

Es mag trügerisch und hoffnungslos klingen. Doch eigentlich ist Eduardo Golds Idee so einfach wie genial: Er will mehrere Gipfel der Anden in Peru weiß anpinseln und sich so gegen den Klimawandel stemmen, der die Gletscher dahinschmelzen lässt.

Die Andengipfel in Peru sollen weiß gestrichen werden, um so den Klimawandel aufzuhalten.
Die Andengipfel in Peru sollen weiß gestrichen werden, um so den Klimawandel aufzuhalten.Foto: ddp

Weiße Flächen reflektieren einen Großteil der Sonnenstrahlen und kühlen so die Umgebung. Golds Hoffnung: Dass irgendwann wieder Schnee auf den grauen, kargen Felsen liegt. Die Weltbank unterstützt seine Idee mit 200 000 Dollar. Erhalten hat er das Geld noch nicht – an die Arbeit gemacht hat er sich aber trotzdem schon mal. Gold und seine Nichtregierungsorganisation Glaciares de Peru waren einer der 26 Gewinner des Wettbewerbs „100 Ideen zur Rettung des Planeten“, den die Weltbank im vergangenen November veranstaltete. Gold will insgesamt 70 Hektar Felsen auf drei Gipfeln in der Region Ayacucho im Süden Perus mit einem Gemisch aus Kalkpulver und Wasser überziehen. Angefangen hat sein Team vor einigen Wochen mit dem Chalon Sombrero, einst ein Gletscher, der Tal und Flüsse bewässerte, heute nur noch karges Gestein. Mit vier Arbeitern aus dem nahen Dorf Licapa steht Gold in 4756 Metern Höhe, einer Höhe, in der weder Pflanzen noch Bäume wachsen, und rührt das Kalkgemisch an. Bis Ende Juni gelang es dem Team, zwei Hektar der Felsen zu weißen. Allein 20 Hektar sind es auf dem Chalon Sombrero. Dabei nehmen die Arbeiter nicht etwa Pinsel, sondern schütten die Farbe gleich mit Kannen auf die Steine. „Eine weiße Oberfläche reflektiert die Sonnenstrahlen durch die Atmosphäre hindurch in den Weltraum zurück und kühlt so auch die eigene Umgebung“, erklärt Gold. „So wird ein Mikroklima geschaffen.

„Ich bin guter Dinge, dass hier wieder ein Gletscher entsteht, wenn wir die nötigen klimatischen Bedingungen schaffen.“ In Licapa wissen die Menschen sehr genau um den Wert des Gletschers. Pablo Parco Palomino hat in seinen 65 Jahren die Verwandlung des Chalon Sombrero genau verfolgen können – vom schneebedeckten Gletscher zu kargem Fels. Wie fast alle hier begrüßt er die Pläne von Gold. „Wir könnten hier wieder so viel Wasser haben wie vor dem Verschwinden des Gletschers, dann gäbe es auch wieder mehr Weiden“, sagt Palomino.

Golds Experiment erhielt prominente Unterstützung, etwa von US-Energieminister und Nobelpreisträger Steven Chu, der ähnliche Ideen hatte. So unterstützte er mit Kampagnen den Bau weißer Dächer in New York. Die Wissenschaftswelt beobachtet die Farbaktion indes mit skeptischem Interesse. „Das kann auf lokalem Niveau schon funktionieren“, sagt Thomas Condom, Gletscherforscher am Institut für die Entwicklung Limas. „Aber der Effekt wird lokal bleiben.“ Zum einen sei es schwierig, den Plan auf großem Gebiet anzuwenden, zum anderen seien Temperatur und Sonneneinstrahlung nur zwei Gründe für das Abschmelzen der Gletscher. „Auch die Menge der Niederschläge trägt dazu bei.“ Als „Blödsinn“ bezeichnete der peruanische Umweltminister Antonio Brack das Vorhaben. Die 200 000 Dollar hätten weitaus sinnvoller eingesetzt werden können. Doch Gold bleibt hart: „Lieber teste ich eine Lösung und scheitere, als mir jetzt schon darüber Gedanken zu machen, wie wir ohne den Gletscher überleben könnten.“ AFP

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