Klimaschutz : Eisbär in Not

Mit dem Schicksal des Eisbären hat der Klimawandel ein Gesicht bekommen. Die Arktisanrainer beraten über Rettung des Weißen Riesen. Ölprojekte gefährden die Tiere - Verbote sollen sie jetzt schützen.

Christoph Lorch
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Der Eisbär ist zum Sinnbild des Klimawandels geworden. Die Erwärmung gefährdet die Art. - Foto: dpa

Mit dem Schicksal des Eisbären hat der Klimawandel ein Gesicht bekommen. Bilder von ums Überleben kämpfenden Eisbären gingen um die Welt. Der Hauptgrund dafür sind die im Zuge des Klimawandels gestiegenen Temperaturen in der Arktis. Dadurch geht das Meereis zurück und die Jagdgelegenheiten für Eisbären, zum Beispiel auf Robben, nehmen ab. Um über den Schutz der Eisbären zu sprechen, haben sich nun zum ersten Mal seit 28 Jahren wieder alle fünf Anrainerstaaten der Arktis wegen dieses Themas an einen Tisch gesetzt. Vertreter aus Norwegen, den USA, Kanada, Russland und dem zu Dänemark gehörenden Grönland wollen bis Donnerstag in der nordnorwegischen Stadt Tromsö über Möglichkeiten beraten, den Fortbestand der Eisbären in Zeiten des Klimawandels zu sichern.

Das letzte internationale Schutzabkommen wurde 1973 unterzeichnet und verbot weitgehend die Jagd auf Eisbären, die damals die größte Bedrohung darstellte. Der Bestand erholte sich daraufhin sichtlich – 1973 wurde der Bestand auf 5000 Tiere geschätzt, heute geht man von etwa 25 000 Exemplaren aus, von denen 60 Prozent in der kanadischen Polarregion leben. Gesicherte Zahlen gibt es nicht, da die Tiere Einzelgänger sind und über ein großes Gebiet verstreut leben. Zudem ist der Lebensraum der Tiere schwer zugänglich, weshalb aus Gegenden wie zum Beispiel Russlands östlicher Arktis und Ostgrönland verlässliche Beobachtungen fehlen.

Die eigentliche Gefahr stellt das schmelzende Eis dar. Die Eisbären nutzen Eisschollen als Ausgangspunkt für die Jagd auf Robben. Ist der arktische Ozean nun längere Zeit eisfrei, können die Eisbären kaum Robben erlegen auf die sie als Beute angewiesen sind. Besonders problematisch wäre dies für die Weibchen, die sich nicht mehr fortpflanzen, wenn sie ein bestimmtes Gewicht unterschreiten. Dass diese Gefahr real ist, belegen Zahlen aus zwei gut erforschten Gebieten. Das eine ist die Hudson-Bay in Kanada, das andere die Beaufort-See nördlich von Alaska. In beiden, sagt Artenschutzexperte Volker Holmes vom WWF, sei die Eisbärpopulation um bis zu 20 Prozent zurückgegangen. Für beide Gebiete sei belegt, dass das Eis drastisch zurückgehe.Es komme später und gehe früher. Dies verkürze die Jagdzeit der Eisbären dramatisch.

Dass Eisbären allerdings wirklich Gefahr laufen, aufgrund schmelzenden Eises zu ertrinken, ist fraglich. Eisbären sind in der Lage, ohne Unterbrechung 100 Kilometer und mehr zu schwimmen. Es wurden zwar in den letzten Jahren einige ertrunkene Tiere entdeckt, ob es allerdings wirklich mehr sind als früher, ist unklar.

Sicher ist jedoch, dass der Lebensraum des Eisbären sich durch den Klimawandel verändert hat und dass die Anforderungen an den Schutz des Eisbären andere sind, als sie es bei der letzten Konferenz der betroffenen Staaten vor 28 Jahren waren. Der WWF hofft daher, dass die teilnehmenden Staaten sich auf einen gemeinsamen Aktionsplan zur Rettung des Eisbären einigen. Dieser sollte vor allem eine effektive Kontrolle des Jagdverbots beinhalten. Außerdem fordert der WWF die Ausweisung von Schutzgebieten, um den Eisbären Rückzugsmöglichkeiten zu sichern. Die Förderung von Öl und anderen Rohstoffen, solle so reglementiert werden, dass sie nicht zulasten des Eisbären gehe. Seit der letzten Konferenz sei nun eine Generation vergangen, nun müsse man handeln, da dem Eisbären nicht mehr viel Zeit bleibe.

Vor dem geplanten UN-Klimagipfel im Dezember in Kopenhagen soll nach dem Willen des norwegischen Umweltministers Erik Solheim von der Konferenz eine Warnung ausgehen: Die Situation in der Arktis sei „sehr ernst“. mit AFP

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