Welt : Klimawandel macht Hurrikane gefährlicher

Münchener Rück vergleicht Daten aus 150 Jahren

Dagmar Dehmer

Berlin - „Wilma“ wütet noch, und schon hat sich über dem Atlantik der nächste tropische Wirbelsturm gebildet. Es ist der 22. in dieser Hurrikan-Saison, und dem nationalen Hurrikan-Zentrum der USA sind die Namen ausgegangen. Der Sturm heißt jetzt „Alpha“, nach dem ersten Buchstaben im griechischen Alphabet. Nur 1933 habe es einmal 21 Stürme gegeben, berichtet Professor Peter Höppe, der bei der Münchener Rückversicherung für Geo-Risikoforschung zuständig ist.

Diese Hurrikan-Saison, die noch mindestens vier Wochen dauern wird, ist eine Rekord-Saison. Allein „Katrina“, die über Louisiana und Missisippi hinweggetobt ist und New Orleans unter Wasser setzte, hat nach Höppes Informationen rund 30 Milliarden Dollar versicherte Schäden hinterlassen. Das ist fast so viel, wie die bisherige Rekord-Hurrikan-Saison 2004 die Branche insgesamt gekostet hat. In diesem Jahr lägen die versicherten Schäden bei mindestens 50 Milliarden Dollar, erwartet Höppe. Die volkswirtschaftlichen Schäden liegen jedoch noch um ein Vielfaches höher; allein für „Katrina“ bei rund 100 Milliarden Dollar.

Was die Hurrikan-Jahre 2004 und 2005 noch bedrohlicher macht, ist für Höppe die Tatsache, dass in beiden Jahren tropische Wirbelstürme an Orten an Land gefegt sind, an denen es bisher keine Hurrikane gab: 2004 traf ein Tropensturm in Brasilien aufs Land. Und „Wilmas“ Vorgänger „Vince“ hat sich vor Madeira gebildet und fegte auf Spanien zu.

Höppe ist im Gegensatz zu einigen Hurrikanforschern der Meinung, dass es einen Zusammenhang zwischen der globalen Erderwärmung und der Anzahl sowie Intensität von tropischen Wirbelstürmen gibt. Er verglich die bisher drei Warmphasen seit Beginn der Aufzeichnungen und stellte fest: In jeder dieser 20 bis 50 Jahre dauernden Warmphasen nahmen Zahl und Intensität der Hurrikane zu. „Darin erkennen wir den Klimawandel“, sagt er. Außerdem hätten Klimaforscher erst vor wenigen Wochen herausgefunden, dass sich auch die Temperatur der Meeresspiegel erhöht hat, in den vergangenen 50 Jahren um rund 0,5 Grad. Und je wärmer die Wasseroberfläche, desto höher die Energie, die ein Hurrikan bei seiner Entstehung speichert – und dann an Land zerstörerisch wieder freigibt.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben