Welt : Klimawandel: Schmilzt der Nordpol?

Besucher des Nordpols können dort derzeit etwas sehen, was es seit Millionen Jahren nicht gab - Wasser. Das sonst meterdicke Eis über dem Nordpol ist in diesem Jahr an vielen Stellen hauchdünn oder gar geschmolzen. Am Pol erstreckt sich jetzt eine 1,6 Kilometer breite Wasserstraße, wie die "New York Times" berichtete. Zuletzt soll es vor mehr als 50 Millionen Jahren so viel Wasser am Nordpol gegeben haben. "Ich weiß nicht, ob irgendjemand schon einmal dort oben von Wasser begrüßt wurde, und nicht von Eis", sagte der Paleontologe Malcom McKenna. Und der Ozeanograph James McCarthy berichtete, viele Touristen einer Kreuzfahrt zum Nordpol seien völlig überrascht gewesen, als sie statt des erwarteten Eises nur Wasser gesehen hätten.

McKenna und McCarthy, der auch Leiter einer Arbeitsgruppe ist, die sich im Auftrag der UNO mit dem Klimawandel befasst, nahmen als Dozenten an der Kreuzfahrt an Bord des russischen Eisbrechers "Yamal" zum Nordpol teil. McCarthy berichtet weiter, vor sechs Jahren sei er schon einmal zum Nordpol gefahren. Damals habe sich das Schiff durch meterdickes Eis kämpfen müssen. Dieses Mal sei das Eis auf dem Weg von Spitzbergen zum Nordpol oft so dünn gewesen, dass die Sonne durchscheinen konnte und Plankton, das unter dem Eis wuchs, sichtbar gewesen sei. Auch der russische Kapitän des Eisbrechers, der diese Reise schon zum zehnten Mal gemacht habe, habe gesagt, dass er offenes Wasser am Nordpol noch nie erlebt habe. Die "Yamal" musste dann noch rund zehn Kilometer fahren, bevor das Eis wieder so dick war, dass die Passagiere aussteigen konnten. Die Ursachen für das schmelzende Eis sind nicht geklärt. Während viele Forscher den Treibhauseffekt und die allgemeine Erwärmung der Erdatmosphäre dafür verantwortlich machen, halten andere auch natürliche Phänomene als Ursache für möglich. Satellitenaufnahmen haben in jüngster Zeit schon darauf hingedeutet, dass das Eis am Nordpol stark schmilzt. Nach Erkenntnissen der US-Weltraumbehörde NASA soll die Eisdecke am Nordpol seit den 60er Jahren um durchschnittlich 45 Zentimeter zurückgegangen sein. Die letzte bekannte Phase der Erdgeschichte, in der an den Polarkreisen eine tropische Vegetation herrschte ist das Eozän - das ist rund 55 Millionen Jahre her.

0 Kommentare

Neuester Kommentar