Klone : Nicht ganz die Mama

Ein geliebtes Tier stirbt und es entsteht der Wunsch, das identische Tier zurück zu bekommen. Firmen bieten das Klonen von Haustieren an. Doch Vorsicht: Wer sein Haustier klont, könnte eine Überraschung erleben. Auch Klone haben ihr eigenes Leben.

Bas Kast
Klonkatze
Geklontes Kätzchen. -Foto: AFP

Das Leben schreibt immer noch die besten Geschichten. Wie etwa die von Booger 2.0. Es war vor Jahren, als die heute 58-jährige Hollywood-Drehbuchautorin Bernann McKinney von einem Hund brutal attackiert wurde. Ihr eigener Pitbullterrier, Booger, sprang dazwischen und rettete der Frau das Leben. Das war der erste Akt.

Dann kam’s zur Katastrophe: 2006 starb Booger an Krebs. Mit diesem Ende aber wollte sich McKinney nicht zufriedengeben und strickte sich selbst ein neues. Mithilfe von Gewebe aus dem Ohr ihres heldenhaften Hundes, aufbewahrt im Kühlschrank, ließ sie Booger in einem Genlabor in der südkoreanischen Hauptstadt Seoul klonen. Am Dienstag schließlich war es so weit, und McKinney konnte fünf geklonte Pitbullbabys in die Arme schließen: „Es ist ein Wunder“, sagte die überglückliche Frau. „Sie sehen genauso aus wie ihr Papa und sind völlig identisch.“

Happy End? Nicht ganz. Mehrere Befunde nämlich deuten inzwischen auf etwas hin, das sogar Genforscher selbst verblüfft: Klone sind weder was das Verhalten noch was das Aussehen betrifft identisch. Jeder Klon entwickelt vielmehr seine eigene, individuelle Identität.

Klar wurde das spätestens, als man 2001 das erste Haustier, eine Katze namens „Cc“, geklont hatte. Cc steht für „Carbon Copy“, also Durchschlag auf Kohlepapier. Cc aber ist alles andere als ein „Durchschlag“ ihrer biologischen Mutter Rainbow. Rainbow ist weiß mit braunen und goldenen Flecken. Cc ist auch weiß, aber anders gemustert und hat einen Stich ins Graue. Auch im Verhalten unterscheiden sie sich: Rainbow ist vorsichtig und zurückhaltend, Cc neugierig und verspielt.

Dabei handelt es sich nicht etwa um eine exotische Ausnahme. US-Forscher haben in einem Versuch Schweine geklont und festgestellt, dass ein Tier überraschenderweise ein lockiges Haarkleid hatte, während die anderen glatt waren. Ein Schwein hatte eine Extra-Zitze, einige bevorzugten anderes Futter als ihre Klon-Geschwister, und auch was das Temperament betrifft waren die Klone nicht alle gleich. „Man hat der Öffentlichkeit die Klon-Technologie als eine Möglichkeit verkauft, identische Tiere herzustellen, und Firmen bieten das Klonen von Haustieren an“, sagt Jorge Piedrahita, einer der beteiligten Forscher von der Texas A & M Universität. „Die stillschweigende Annahme dabei ist, dass das geklonte Tier sich so verhalten und so aussehen wird wie das Tier, das man schon hat – und das ist nicht der Fall.“

Dafür gibt es mehrere Ursachen. Erstens sind die Klone genetisch nicht völlig identisch. So stammt das Haupterbgut der Klone zwar vom Originaltier, etwa von Booger. Dieses Erbgut aber hat man in eine Eizelle verpflanzt, die von einem anderen Tier stammt und die im Zellsaft immer noch über eigenes Erbgut verfügt. Dieses Extra-Erbgut kann zu Wachstum und Größe des Hundes beitragen. Darüber hinaus wird das Erbgut im Laufe der Embryonalentwicklung biologisch umprogrammiert. Je nach Tier werden verschiedene Gene an- und abgeschaltet, bestimmt von Zufallsprozessen und individuellen Umwelteinflüssen.

Später kommt die Erziehung hinzu. Die einzigartigen Erfahrungen, die jedes Tier macht, verändern dessen Hirnstruktur und damit den Charakter des Tieres. So entstehen aus fünf Hundewelpen mit den gleichen Genen unterschiedliche Geschöpfe. „Booger war ein Engel, den Gott mir für kurze Zeit geliehen hat“, schwärmt McKinney. „Und Gott wusste, ich würde verloren sein ohne ihn, also schickte er mir ein paar mehr. Er schickte mir fünf weitere Mini-Boogers.“ Wirklich? Wie es aussieht, könnte das Drehbuch rund um Booger 2.0 ein überraschenderes Ende nehmen, als sich die Autorin McKinney vorstellt.

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