Welt : Kochen vergrößert das Gehirn Forscher: Zubereitetes Essen

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Berlin (mos/dpa). Die Erfindung des Kochens und das Fleischessen könnten die Entwicklung des Menschen entscheidend vorangebracht haben. Da energiereiche Fleisch-Nahrung und gekochtes Essen bei der Verdauung nicht so viel Platz benötigten wie Pflanzenkost, habe sich der Darm des Menschen verkleinern und Energie einsparen können. Die gesparte Energie habe die Evolution wiederum ins Gehirn investieren können, berichtet das Magazin „Bild der wissenschaft“ über die Theorie der Anthropologen Leslie Aiello von der University of London und Peter Wheeler von der University of Liverpool. „Die Einführung von immer größeren Mengen tierischer Produkte in den Speiseplan war entscheidend in der Entwicklung eines großen menschlichen Gehirns“, so Aiello.

Auch der amerikanische Anthropologe Richard Wrangham vertritt die These, dass die Fähigkeit, kochen zu können, zu einem größeren Gehirn, kleineren Zähnen, und auch zu einer engeren Beziehung zwischen Mann und Frau führte. Anders als seine britischen Kollegen glaubt Wrangham nicht an tierische Produkte als Auslöser des Hirnwachstums. Der evolutionäre Sprung gehe vielmehr auf die Fähigkeit des Kochens zurück. Und auch mit einer weiteren Schlussfolgerung stellt sich Wrangham gegen die Forschungsstand: nicht das Jagen von Fleisch, die Männerrolle, sondern das Sammeln von kochbaren Pflanzen und Gemüsen durch die Frauen habe eine entscheidende Rolle für die Evolution gespielt.

Auch Leslie Aiello unterstreicht die evolutionäre Bedeutung des Kochens: „Die Fähigkeit zu kochen kann auch erklären, warum die Hirnmasse des Menschen heute verglichen mit der Magengröße relativ größer ist als bei nicht-menschlichen Primaten“, sagt Aiello.

Das beim modernen Menschen mit zwei Prozent der Körpermasse ungewöhnlich große Hirn verbrauche rund ein Fünftel der Energie des Organismus. Der Darmtrakt benötige nach dem Gehirn die meiste Energie, sei jedoch 900 Gramm leichter, als bei einem Säugetier von der Größe des Menschen zu erwarten sei, ergaben die Forschungen der britischen Anthropologen. Skelettfunde hätten bewiesen, dass beim Vormenschen der Darm wesentlich größer gewesen sei. Das Volumen des Hirns habe sich dagegen in den vergangenen drei Millionen Jahren mehr als verdreifacht, führen die Forscher aus. Diese Vergrößerung des Hirns auf Kosten des Darmtraktes sei nur durch die Erfindung des Kochens möglich gewesen.

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