Köln : Kirchentag appelliert an G8

Mit deutlicher Kritik an den G8 wird der Evangelische Kirchentag in Köln fortgesetzt. Für den Abend sind eine Live-Schaltung nach Rostock und ein Ruf an den G8-Gipfel in Heiligendamm geplant.

Evangelischer Kirchentag
Der 31. Evangelische Kirchentag findet von Mittwoch bis Sonntag in Köln statt.Foto: Thomas Lohnes/ddp

KölnMit deutlicher Kritik an den G8 wird an diesem Donnerstag der Evangelische Kirchentag in Köln fortgesetzt. Am Abend sind ein Ruf an den G8-Gipfel in Heiligendamm und eine Live-Schaltung nach Rostock geplant. Vertreter von sieben Religionen hatten am Mittwoch zum Auftakt des Kirchentages von den G8-Politikern einen verstärkten Kampf gegen die Armut gefordert. Das Ausmaß extremer Armut in der Welt sei ein "Skandal", hieß es. Ein weiteres Schwerpunktthema bei den Diskussionen am Donnerstag ist das Verhältnis zum Islam.

   Bei gutem Wetter war der Kirchentag am Mittwochabend mit einem Gottesdienst am Rheinufer vor 65.000 Menschen eröffnet worden. Weitere 20.000 nahmen in gelöster Atmosphäre an

Gottesdiensten in der Innenstadt teil, und mehrere hunderttausend Menschen waren anschließend am "Abend der Begegnung" auf den Beinen. Höhepunkt war ein Lichtermeer aus Kerzen an beiden Ufern des Rheins.

Kirchentagspräsident fordert G8-Kritik

   Kirchentagspräsident Reinhard Höppner sagte, evangelische Christen müssten G8-kritisch-sein. Die Globalisierung sei "kein Schicksal, sondern eine Gestaltungsaufgabe". Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) rief in einem Grußwort zu einer "gemeinsamen Welt-Innenpolitik" auf. "Die Ökonomisierung aller Lebensbereiche erfüllt uns mit Unbehagen und mit Sorge", sagte er. Ein "Leben nach der Stoppuhr" mache vielen Menschen Angst. Mit Blick auf die Proteste beim G8-Gipfel sagte Steinmeier, beim Kirchentag könnten Argumente auch "ohne großes Polizeiaufgebot, ohne Gewalt, Zäune und Stacheldraht" ausgetauscht werden.

   Der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers (CDU) erinnerte in seinem Grußwort an Konrad Adenauer, der 1946 vor einem "gottlosen Materialismus" gewarnt habe. "Heute hat diese Einschätzung an Aktualität wenig eingebüßt", sagte Rüttgers. "Weil die materialistische Weltanschauung den Menschen unpersönlich macht - zu einem kleinen Teil in einer ungeheuren Maschine."

   Zu dem Kirchentag unter dem Motto "lebendig und kräftig und schärfer" haben sich bis Sonntag mehr als 100.000 Dauerbesucher angemeldet, davon eine Rekordzahl von gut 5000 Teilnehmern aus dem Ausland. (mit dpa/ddp)

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