Welt : Kölner Bombe: Anwohner schweigen

Frank Jansen

Köln/Berlin - Die Ermittler sind irritiert: Mehr als zwei Wochen nach dem Anschlag in Köln-Mülheim sind aus der Bevölkerung nur wenige Hinweise auf mögliche Täter und Tatumstände eingegangen. Möglicherweise hätten Zeugen Angst, hieß es in Sicherheitskreisen. Polizei und Staatsanwaltschaft haben bisher 70 halbwegs ernst zu nehmende Hinweise entgegengenommen. Weitere 60 waren unglaubwürdig, weil der Bezug zur Tat fehlte. Bei der Explosion der Nagelbombe waren am 9. Juni 22 Menschen verletzt worden. Fast alle sind türkischer Herkunft.

„Wir hatten erwartet, dass wir uns vor Hinweisen nicht retten können“, sagte ein Sicherheitsexperte am Donnerstag dem Tagesspiegel. Das „mäßige Aufkommen“ sei aus mehreren Gründen schwer zu verstehen. Erstens: Der Anschlag geschah in der belebten Keupstraße. Zur Tatzeit am Nachmittag waren auch viele Menschen unterwegs. Zweitens: Das Entsetzen in Köln war so groß, dass die Polizei eine hohe Mitteilungsbereitschaft annahm.

Drittens: Die Polizei hat sich offensiv an die Öffentlichkeit gewandt und zeigt im Internet Ausschnitte aus dem Video einer Überwachungskamera. Auf den Bildern sind, wenn auch unscharf, zwei Männer zu sehen. Der erste schiebt das Fahrrad, auf dem vermutlich die Bombe lag, der zweite führt gleich zwei Mountainbikes mit sich. Der Mann taucht auf dem Film innerhalb von 34 Minuten dreimal auf. Viertens: Die Staatsanwaltschaft hat bis zu 20 000 Euro Belohnung für Hinweise auf den oder die Täter ausgesetzt.

Das dünne Echo in der Bevölkerung ist einer der Gründe, warum die Ermittler bislang weder einen Tätertyp noch ein Motiv erkennen können. Vom unpolitischen Kriminellen bis zum „bekloppten Rechtsextremisten“ erscheine alles möglich, sagte ein Experte. Und die Bundesanwaltschaft prüft weiter, ob es Indizien für einen terroristischen Angriff gibt.

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